|
- KLIMAPOLITIK
Parteien waehlen, die keinen Klimaschutz wollen
Der Klimastreik von Fridays For Future glich in Berlin eher einem Trauerzug
Klaus Oberzig
 | | Klimastreik auf dem grünen Rasen vor dem Berliner Reichstag
Bild: scienzz
| | |
Am gestrigen Freitag wurden als Ausklang des
sogenannten Klimawahlkampfes in vielen Städten von „Fridays For Future" Demonstrationen
veranstaltet. Sie waren im Vorfeld auch mit dem Begriff des „Klimastreiks"
beworben worden. In der Berichterstattung der Systemmedien war danach zu hören,
es seien bundesweit Hunderttausende auf den Straßen gewesen. Entgegen den
Gepflogenheiten wurden aber erstmals keine Teilnehmerzahlen genannt. Auch das
übliche Spielchen, wonach die Angaben der Polizei extrem niedrig und die der
Veranstalter weit darüber lagen, unterblieb - eine Neuerung in der
Demogeschichte der Bundesrepublik.
Möglicherweise hatte ein Teil der Demonstranten den Begriff Streik falsch
gedeutet und war zu Hause geblieben. Denn so viele scheinen es den Berichten
zufolge, doch nicht gewesen zu sein. In der Hauptstadt Berlin, in welcher die
größte Demonstration stattfand, dürfte die Zahl der Teilnehmer irgendwo um die
30.000 plus gelegen haben.
Als Highlight galt der Besuch und die Rede von Greta Thunberg. Sie rief die Deutschen auf,
zur Wahl zu gehen. Allerdings käme keine deutsche Partei mit ihren Klimaplänen
auch nur in die Nähe, um das Pariser Abkommen einzuhalten. „Wenn die Pandemie
uns etwas gelehrt hat, dann das: Dass die Klimakrise nie wie ein Notfall
behandelt wurde", so Thunberg. Das klang schon
beinahe so, als ob die Coronapolitik als Blaupause für den Klimaschutz
herhalten könne.
Inhaltlich und medial war Thunberg der Schwerpunkt der Berichterstattung,
denn die Aussagen weitere Beiträge, aber auch die der Parolen und Transparente im
Demonstrationszug bewegten sich in keinem anderen Rahmen. Die Bundesregierung müsse
die Klimakrise bekämpfen, das Pariser Klimaschutzabkommen endlich in die Tat
umsetzen und sie müsse an die Zukunft unserer Kinder denken.
Gemeinsam war all diesen Aussagen nicht nur, dass sie das von der Klimabewegung
auch im Wahlkampf vorgetragene Narrativ wiederholten. Auffallend war, dass all
das höchst allgemein gehalten war und als Appell an die Regierenden formuliert
wurde. Und genauso war die gesamten Demonstrationen, nicht nur in der
Hauptstadt, mit Blick auf die Regierenden gedacht. Sie sollten die Parteien und
ihre Kandidaten unter Druck setzen, sich endlich zu bewegen. Politische
Alternativen, in welcher Form auch immer, waren nirgends zu hören oder zu lesen
- wie zuvor auch schon im "Klimawahlkampf", als der er ausgerufen
worden war.
Auch wenn bundesweit eine durchaus beachtliche Zahl von Demonstranten von der
Bundesregierung ernsthaften Klimaschutz forderte, blieb gerade bei diesen
Veranstaltungen nicht verborgen, dass die Bewegung mit ihrer Politik des
Appellierens und Forderns in der Sackgasse steckt. Einer Regierung, die keinen
Klimaschutz betreibt und die den Ausbau Erneuerbarer Energien nach wie blockiert,
haben Solarfreunde und Klimaschützer nichts außer dem Appell zur Wahl als
politisches Programm entgegen zu setzen.
Allerdings besteht das Dilemma gerade
darin, dass sich bisher jede Bundesregierung der fossilen Strategie der Energiewirtschaft
gebeugt hat. Daran, und das scheint wohl der Mehrzahl der Demonstranten mehr
oder minder klar gewesen zu sein, wird sich auch nach der Bundestagswahl nichts
ändern. Eigenständige Ansätze, wonach Selbstbestimmung und Energieautarkie auf
die Agenda gesetzt werden müssten, waren nur ausnahmsweise zu finden. Von der
Entwicklung einer eigenständigen Aufbaustrategie bei Wind und Solar jenseits
der monopolbestimmten,leitungsgebundenen fossilen Energieträger war nichts zu
finden.
Vor diesem Hintergrund war es denn auch nicht verwunderlich, dass praktisch
keine Polizei aufgefahren war. Man hielt die Klimademo bzw. diesen
„Klimastreik" für nicht sicherheitsrelevant, sprich nicht staatsgefährdend. Es
erschien eher als die Spielwiese der Fassadendemokratie, auf der die Kritiker
etwas Dampf ablassen konnten. Dies war ein markanter Unterschied zu den Demonstrationen
des demokratischen Widerstands gegen die Pandemiepolitik und die
Außerkraftsetzung wichtiger Grundrechte vom 1. und 29. August 2021. Auffällig
war auch, dass die wenigen anwesenden Polizisten kaum Masken trugen.
Das galt aber auch für mindestens die Hälfte der Demonstranten. Sie waren ohne
Masken und nicht entsprechend den sogenannten Corona Hygieneregeln unterwegs.
Das markierte allerdings einen deutlichen Unterschied zur Demonstration des
Bündnissen # unteilbar drei Wochen zuvor, ebenfalls in Berlin. Es hat sich also einiges entwickelt.
Gekommen waren, zumindest in Berlin, die Aktivisten der Energiewende- und
Klimaschutzbewegung. Viele Schüler, wie das in der Anfangszeit von Fridays For
Future der Fall war, ließen sich nicht blicken.
Die Stimmung war verhalten, nicht kämpferisch. Der gesamte Demonstrationszug
war recht leise, ganz im Gegensatz zu einer der Hauptparolen von Fridays For Future:
„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut". Den Demonstranten
merkte man es an, dass sie selbst nicht mehr so recht an die Parole von der
Klimawende glauben, daran, dass der Parlamentarismus und der Wahlzettel
irgendetwas Positives gegen die Klimakrise bewirken würde. So konnte man sich
des Eindrucks nicht erwehren dass der „Klimastreik" auch etwas von einem
Trauerzug an sich hatte. Die Teilnehmer waren pflichtbewusst, aber ohne großen
inneren Optimismus dabei.
So endete der Berliner Umzug auf der Wiese vor dem Reichstag recht abrupt. Kurz
vor 16 Uhr wurde mit der Begründung, der Aufbau der Installationen für den
Berlin Marathon 2021 stünde an, wurde die Veranstaltung für beendetet erklärt.
Die Demonstranten folgten dieser Aufforderung bereitwillig und machten sich
pflichtbewusst auf den Heimweg. Verständlich, der Berlin-Marathon ist
schließlich real und bringt der Hauptstadt dringend benötigte Gelder in die Kassen.
Die Behauptung von Greta Thunberg und Luisa Neubauer, „wir schreiben
Geschichte", sieht anders aus.
Mehr im Internet:
Demonstration der
Verdrängung, scienzz
Na sowas,
Wahlkampfschlager Klimaschutz, scienzz
Dieses Werk ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.
|
|