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- WAHLKAMPF
Na sowas - Wahlkampfschlager Klimaschutz
Im Wahlkampf deutet sich ein scheinbarer Konsens ueber eine Politik der Klimaneutralitaet an
Klaus Oberzig
 | | Bild: Comfreak auf Pixabay
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Der Klimawandel ist im Wahlkampf aller Parteien - Ausnahme AFD - das
Top-Thema. Es ist das neue Narrativ, das scheinbar einleuchtend und
konsensfähig ist. Konsensfähig ist inzwischen auch, dass der Klimawandel
menschengemacht sei. Die Klimakrise ist Folge eines Übermaßes von emittierten
Klimagasen. Im Zentrum steht dabei das Kohlendioxid CO2. Es ist der Gipfel
allen Übels und soll reduziert werden, vorgeblich im Einklang mit dem Pariser
Klimaabkommen des Jahres 2015. Hier beginnen die Unterschiede, mit denen die
Parteien sich zu profilieren versuchen. Bis wann und wie soll das erreicht sein,
CO2 neutral oder CO2 frei, mit mehr oder weniger Erdgas und ab wann ohne Kohle.
Darüber ist ein "demokratischer Wettstreit" ausgebrochen, darüber
"dürfen" die Bürger mit ihrem Kreuzchen am 26 September angeblich
entscheiden. Als Heilmittel für die Klimakrise gilt, auch darüber besteht
anscheinend Konsens, die Priorität liegt bei der Energiewende und den regenerativen
Energien. Zumindest wird dies in Wort und Bild suggeriert. Denn die
erneuerbaren Energien sind populär. Das erfreut die Vertreter der Energiewendebewegung.
Doch trifft das die Lage der Menschheit und den Zustand des Planeten? Ist die
Klimakrise die einzige Krise? Sind die Emissionen der Klimagase die einzige und
alleinige Ursache dafür? Von der wirtschaftlichen Krise wird nicht gesprochen,
obwohl sie seit nahezu zwei Jahrzehnten präsent ist. Als Stichwort mag hier nur
die Zinsentwicklung erwähnt werden. Die Krise heißt inzwischen Corona-Krise und
alle Probleme der Politik, der Wirtschaft, der Bildung und der Wissenschaft
werden auf die Corona-Pandemie zurückgeführt. Das ist mehr als ein
Etikettenschwindel.
Die Einschränkungen der Menschenrechte, die Teil der Pandemiepolitik in
der westlichen Hemisphäre sind, werden nur von einem Teil des Volkes kritisiert
und nur eine Minderheut fordert die uneingeschränkte Wiederherstellung ihrer
Rechte. Dass die Beseitigung unveräußerlicher Menschenrechte Kennzeichen einer
Diktatur sind, wird verdrängt und von den Herrschenden verschwiegen. Eine
Mehrheit in der Bevölkerung stört sich bislang offenbar nicht an den
autoritären, diktatorischen Verhältnissen.
Verdrängt und verschwiegen wird aber auch, dass die Böden unserer Erde, die
Regenwälder, das Süßwasser und die Biodiversität in Gefahr sind. Auch die
Lebensmittelerzeugung und der -konsum, die Ernährung selbst oder das
Gesundheitswesen sind genauso krisenbefallen. Darüber wird nur am Rande und von
Wenigen gesprochen. Ganz so, als ob es kleinere, nachgeordnete Probleme seien,
deren Behebung man nach Lösung der Klimakrise angehen könne. Sofern man diese
Probleme überhaupt anspricht, gilt im gegenwärtigen Wahlkampf eine Art unausgesprochenes
Stufenmodell: eines nach dem anderen, und das scheinbar Wichtigste zuerst.
Doch das ist falsch. Die Erde ist ein System, das nur als Ganzes funktioniert.
Die Menschheit hat mit der profitorientierten Produktionsweise dieses System in
wenigen Generationen stark beschädigt. Die Böden werden von den Strategen der
chemischen Industrie und der industriellen Landwirtschaft nur noch als Substrat
betrachtet, indem das Leben keine Rolle mehr spielt. Süßwasser scheint im
Überfluss vorhanden, man müsse nur danach bohren. Regenwälder werden
bedenkenlos abgeholzt und in Monokulturen zur Erzeugung von Palmöl oder
Viehfutter verwandelt. Die Meere, die für ein Drittel der Menschheit Nahrung
liefern, werden zugemüllt.
Diese Probleme werden von den bürgerlichen Ökonomen und Propagandisten prinzipiell
kleiner oder als zu vernachlässigend dargestellt gegenüber der Notwendigkeit
der Kapitalanlage und des Profits. Hauptsache die Kapitalzirkulation, die immer
und ohne wenn und aber das Wachstum sicherzustellen hat, kommt niemals zum
Stillstand.
Dass die verleugnete Wirtschaftskrise ihre innere Ursache in der Krise des
Profites und der fehlenden Kapitalanlagemöglichkeiten und ganz offensichtlich
eine Grenze auf dem endlichen Planeten Erde erreicht hat, ist gewissermaßen das
"Unaussprechliche" in der zugespitzten Situation. Davon unter allen
Umständen abzulenken, ist die Aufgabe aller Medien und Systempropaganda. Deshalb
das Trommelfeuer in den Medien, in Teilen der Literatur und vor allem in der
Wissenschaft. Deshalb auch das Narrativ der Corona-Pandemie. Es soll Angst erzeugen.
Methodisch verbreiten die Medien in verschieden Variationen das immer gleiche
Denkmuster: die monokausale Betrachtung der Welt zerreißt die Zusammenhänge des
Lebens und Wirtschaftens auf der Erde und behauptet, separate, voneinander
unabhängige Sphären würden existieren. Diese könne man isoliert und jede für
sich selbst betrachten und behandeln. Tatsächlich ist die Natur ein
Gesamtsystem, in dem alles mit allem zusammenhängt. Deren symbiotische
Verbindungen stützen und stärken sich gegenseitig und garantieren das
Funktionieren des Gesamtsystems Erde. Auch der Mensch ist, wie alle anderen
Lebewesen, ein symbiotisches Wesen, dem einseitige und isolierte Lebensweisen
und Eingriffe Schaden zufügen und seine Lebensdauer beeinflussen.
Das monokausale Denken, das außer Acht lassen der Lebenszusammenhänge, wird
durch eine Produktionsweise begünstigt und gefördert, die seit Jahrhunderten
den Planeten Erde ausplündert, seine Ressourcen und Schätze entnimmt und als
kostenlose Grundlage für das Profitstreben Einzelner betrachtet. Monokausalität
und nicht am Gemeinwesen orientiertes Profitstreben sind zwei Seiten ein und
derselben Medaille. Macht euch die Erde Untertan, fordert schon die Bibel.
Dieses Narrativ ist übrigens viel älter als der Kapitalismus.
Hier schließt sich der Kreis auch bei der einseitigen Definition der Klimakrise
als angeblichem Hauptproblem der Gegenwart. Diese Fokussierung blendet die
anderen Bereiche des insgesamt in die Krise geratenen Planeten aus. Das falsche
Denken verunmöglicht einen grundlegenden Wandel im Umgang des Menschen mit der
Natur und somit mit sich selber. Es zementiert die bestehenden Produktions- und
die vorhandenen Machtverhältnisse. Denn die ökonomische Macht ist gleich der
politischen Macht. Wir leben nach wie vor in einer Klassengesellschaft, auch das
von den Systemmedien verleugnet wird, obwohl die Besitzverhältnisse in einer
unglaublichen Art und Weise einseitig bzw. eindeutig geworden sind.
Natürlich denken nicht alle Menschen in der gleichen Art und Weise und schon
gar nicht so begrenzt. Viele erkennen die Probleme auf dem Planeten oder
zumindest einen Teil davon und engagieren sich auf die eine oder andere Art und
Weise. Sie gehen in die Verantwortung und verändern ihr Leben. So lässt sich
etwa von Vegetariern oder Veganern sagen, dass sie damit, wie Lebensmittel
produziert werden, nicht einverstanden sind und sich dem Fleischkonsum
verweigern. Insofern sind die vorgesagten Zeilen eine Verallgemeinerung, die zu
relativieren ist. Tatsächlich gibt es überall Ansätze, die mit den herrschenden
Verhältnissen unzufrieden sind. Diese Ansätze sind zu fördern und zusammen zu
bringen.
Zu dieser problematischen, wenn auch notwendigen Verallgemeinerung gehört aber
auch, dass sich die Zusammensetzung dessen, was wir als Menschheit verstehen,
in den letzten Jahrzehnten radikal verändert hat. Vor allem die herrschende
Klasse - früher nannte man sie Kapitalisten - hat sich stark verändert. Sie ist
einerseits überschaubar klein, zugleich aber unfassbar reicher und mächtiger
geworden. Die Kapitalkonzentration hat einen Kreis von Oligarchen - dieser
Begriff bürgert sich mehr und mehr ein - hervorgebracht, welche die Masse der
Besitzlosen weltweit auf eine völlig neue Art und Weise ausbeutet,
kontrolliert, manipuliert und steuert.
Die Mittelklasse, die ökonomisch weitgehend selbstständig war, wird gegenwärtig
von den Oligarchen mit dem Ziel angegriffen, sie aufzulösen und ihrer freien
Existenz zu berauben. Sie wollen sich deren Kapital und Besitz aneignen. Die
Kämpfe, deren Zeuge wir gegenwärtig im Zusammenhang mit den weltweiten
Corona-Lockdowns sind, tragen dazu bei, dass die Thematik der Rekonstruktion
der Ökosphäre des Planeten zusätzlich in den Hintergrund gedrängt wird. Corona
sei die Bedrohung der Menschheit, nicht die ausweglose und perspektivlose Wirtschaftsweise
des Kapitalismus.
Im Existenzkampf der bedrohten Klassen und Schichten gerät der Gegensatz von
Raubbau und Regeneration aus dem Blick. Entsprechend dem monokausalen Denken,
dass die herrschende Klasse vorlebt und in allen Bildungs- und Propaganda-Einrichtungen
vorgibt, kommt der Begriff regenerativ ausschließlich im Zusammenhang mit der
Energiefrage vor. Als regenerativ oder erneuerbar werden, nach vielen Jahren
der ideologischen Auseinandersetzungen, ausschließlich Energieformen wie
Photovoltaik, Wind- und Wasserkraft oder Geothermie akzeptiert.
Die Tatsache, dass die Böden ohne Raubbau oder durch positiv veränderte
Anbaumethoden regeneriert werden könnten, ist nicht nur ein wenig beachtetes
Thema. Da wo es diskutiert wird, gilt es als Problem einer wenig angesehenen
Gruppe, nämlich der Landwirte. Im direkten Zusammenhang damit steht die Krise
des Süßwassers. Verschwendung, Verschmutzung, Kontaminierung, ungezügelte
Entnahme durch Industrie und Landwirtschaft und Bevölkerungswachstum sind die
Ursachen.
Dafür kann das CO2 nicht herangezogen werden. Wasser ist die Grundlage allen
Lebens und der Zivilisation. Ohne sauberes Wasser gibt es keine ausreichende
Lebensmittelversorgung. Trotzdem werden diese Probleme gering erachtet,
geringer jedenfalls als die Energieprobleme. Aber es gibt keine Evidenz für
eine Priorisierung von Energiewende und Klimakrise. Wer das vertritt, zerreißt
den Zusammenhang der menschlichen Existenzbedingungen und gefährdet die
Menschheit insgesamt.
Zum monokausalen und nicht systemischen Denken gesellt sich eine weitere
Fehlleistung menschlicher Reflexionsfähigkeit. Technologie gilt als das
Allheilmittel aller Probleme auf diesem Planeten. Dass jedenfalls verkünden die
herrschenden Oligarchen aus dem Silicon Valley, aus Big Pharma und der der
Energie- und Automobilwirtschaft. Natürlich hat das eine Tradition, die seit
der Erfindung der Dampfmaschine, der Entwicklung der chemischen Industrie, des
Automobils oder der Kernkraft besteht.
Technische Lösungen sind etwas anderes als veränderte Verhaltens- und
Produktionsweisen. Oder, um es anders auszudrücken: es besteht ein
fundamentaler Unterschied zwischen einem veränderten Bewusstsein einer Mehrheit
der Menschen und den Konzepten einer Oligarchenklasse, die bei allem, aber auch
wirklich allen Lösungsvorschlägen als Maßstab nur den Profit kennt, den sie
damit erzählen könnte. Wachstums- und Profitmaximierungskonzepte sind keine
Lösung für einen endlichen Planeten, egal ob es um Klima, Wasser, Energie,
Gesundheit oder Ernährung geht.
Das offenbart sich aktuell an dem Lösungsvorschlag der Digitalisierung. Sie ist
der neue Heilsbringer. Hinter dem Bedrohungsszenario der angeblichen Corona-Pandemie,
welche die Weltbevölkerung ängstigen und geschlossen hinter die Führung der
herrschenden Klasse bringen soll, wird - ein altes Konzept von Zuckerbrot und
Peitsche - der Hoffnungsträger Digitalisierung als Lösung für eine zukünftige
Epoche der Oligarchenherrschaft aufgeblasen. Sprach man bislang von
Computerisierung und Automatisierung so wird der technologische Lösungsansatz
nun zum Fetisch Digitalisierung stilisiert.
Abgesehen davon, dass der Fetisch Digitalisierung ein All-Electric-Concept
darstellt, das Unmengen von Energie erfordern würde - gegenwärtig wird freihändig
mit den elektrischen Energiefressern E-Mobilität, digitale Währung, erneuerbare
Wärmeversorgung und digitale Überwachung jongliert, ohne dass auch nur
ansatzweise ein Erzeugungskonzept vorhanden wäre - ist Digitalisierung das
perfekte Konzept zur Erzeugung von Massenarbeitslosigkeit.
In Verbindung mit der digitalen Erfassung und Überwachung aller Menschen wird
dieser Serveillance Capitalism die Krise der menschlichen Zivilisation und der
natürlichen Lebensgrundlagen auf die Spitze treiben. Dazu fungieren Eugenik und
transhumanistische Perversionen, mit denen das Wesen Mensch den technologischen
und profitorientierten Notwendigkeiten angepasst werden soll, als vergiftetes
Sahnehäubchen auf der Süßstofftorte der Digitalisierung. Dies ist keine Lösung,
sondern eine Road to Hell, wie sie sich zum Beispiel beim Oligarchenkonzept des
Great Reset abzeichnet.
Wer heute nur die Klimakrise vor Augen hat und meint, erneuerbare Energien
lieferten die Lösung für die Menschheitsprobleme, der verkennt, dass es der Kapitalismus
und seine aus der Profitproduktion erwachsenden Zwänge sind, die das Übel des
21 Jahrhunderts darstellen. Dem Konzept einer Verlängerung der Profitwirtschaft
um eine weitere Generation inklusive der Zerstörung der Lebensgrundlagen steht
die Forderung nach der umfassenden Rekonstruktion der Ökosphäre gegenüber. Und
die muss sofort beginnen.
Selbst wenn es bisher nur wenige aussprechen, der Überwachungskapitalismus mit
seinem Kern der Digitalisierung und der digitalisierten Lebens- und
Produktionsweise muss verschwinden. Diese antikapitalistischen Aussagen haben
vor uns schon andere vorgetragen, auch wenn sie dabei frontal an die Wand
gefahren sind. Damit ist die alte Arbeiterbewegung gemeint, die, in welcher
politischen Linie auch immer, nur Top-Down-Lösungen kannte. Deswegen sind sie
auch historisch gescheitert. Wir gehen davon aus, die Menschheit ist lernfähig.
Sie wird, früher oder später, Bottom-Up-Lösungen entwickeln. Bis sich das
herauskristallisiert und auch politisch entwickelt, lässt sich unschwer ein
Kampf zweier Linien vorhersagen. Denn diejenigen, die plötzlich von
Dezentralität sprechen, meinen vielleicht Erzeugung und Produktion, ganz sicher
aber nicht die Kontrolle und Steuerung der Gesellschaft.
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