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- UNWETTERKATASTROPHE
Was gibt es da zu lachen
Hinter der Empoerung ueber Laschets Entgleisung stecken unterschiedliche Intentionen und Entwicklungen
Klaus Oberzig
 | | Unwetter - Bild: Maarten-Rijgersberg auf pixabay
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Das heiß diskutierte Verhalten des NRW-Ministerpräsidenten
und CDU Kanzlerkandidaten Armin Laschet am Rande der Rede von Bundespräsident
Steinmeier war pietätlos. Er ist damit ähnlich verbrannt wie zuvor seine
Konkurrentin von den Grünen, Annalena Baerbock. Das Gejuxe von Laschet und
seiner Entourage vor laufenden Fernsehkameras hat viele Menschen empört und
gleichzeitig ermutigt, ihre Kritik am Verhalten der Regierenden lauter vorzutragen.
Die Erfahrung, dass in den ersten Stunden der Katastrophe viele der Betroffenen
in beiden Bundesländern auf sich alleine gestellt waren, führte zu vielen
Fragen. Vor allem, wieso weder die Landesbehörden noch die Rettungskräfte oder
Medien rechtzeitig und angemessen auf die Warnungen der Meteorologen reagiert
hatten. Wahrscheinlich wären weniger Menschen gestorben.
Denn die Meteorologen hatten frühzeitig und unisono vor der Bedrohungslage
gewarnt. Solche Warnungen kann übrigens jedermann lesen oder jedefrau abonnieren.
Behörden und Politik dürfte die Gefahrenlage eigentlich nicht verborgen geblieben
sein. Eigentlich. So gab es bei Kachelmannwetter bereit am Sonntag, den 11.
Juli „Hinweise auf eine gefährliche Unwetterlage" und die Ansage, „Tief Bernd
werde zur Wochenmitte nach Deutschland" kommen. Bei dieser Bedrohung handelte
es sich um eine Konstellation mit einem Tief im Zentrum, das tagelang stationär
hängen bleibt und kontinuierlich Regenwolken ansaugt und über den gleichen
Flächen bzw. Regionen ablädt.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD), eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des
Bundesverkehrsministeriums, ist nationaler meteorologischer Dienst der
Bundesrepublik. Die Herausgabe amtlicher Warnungen ist gemäß (§4) eine seiner wichtigsten Aufgaben. Dementsprechend
hatte der DWD bereits in den frühen Morgenstunden des Montag, also des 12. Juli,
ausführlich in Wort und Grafik vor der aufziehenden Gefahr gewarnt. Auch hier
lautete die Kernbotschaft, ab Mittwoch, den 14. Juli, sei mit einer Extremwetterlage mit sehr großen
Regenmengen und Hochwassergefahr zu rechnen. Und
man wolle beim DWD fachlich besonders sorgfältig sein.
„Diese Entwicklung zeigen sowohl das deutsche, als auch das europäische
und das amerikanische Vorhersagemodell (siehe Abbildung unter
https://t1p.de/b0yo ). Bis in den Donnerstag hinein können dort nach jetzigem
Stand, besonders etwa von der Eifel bis zum Westerwald und dem
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Grafik: DWD vom
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Bergischen Land,
durchaus Mengen zwischen 60 und 120 l/m² zusammenkommen, lokal sind selbst
Mengen bis 200 l/m² nicht ausgeschlossen". Eine
Vorhersage, der es an Deutlichkeit nicht mangelt. Danach hätten nicht nur alle
Alarmglocken bei den amtlichen Stellen schrillen müssen, sie hätten sofort alle
in den Katastrophenschutzplänen vorgesehenen Maßnahmen einleiten müssen. Damit
hätte man nicht die Überschwemmungen verhindern, aber einen Großteil der Opfer verhindern
können. Aber so lief es nicht.
Die Verantwortung tragen die Regierungschefs der beiden Bundesländer, der
zuständige Bundesverkehrsminister, aber auch die Medien. Ein herumscherzender
Armin Laschet und eine sich ins Mystische flüchtende Malu Dreyer („eine
Katastrophe hat uns ereilt") scheinen offenbar völlig frei von diesem
Verantwortungsgefühl gewesen zu sein. Die Vorhersagen und Warnungen sind
öffentlich und erreichen auch Regierungschefs. So sie es hören wollen. Dass die
allermeisten Politiker dies geringschätzen - dazu gehört auch die Kanzlerin,
die eine USA-Reise für wichtiger hält - ist typisch für ihre Haltung zum Thema
Klimakrise. Sie glauben nicht wirklich daran, dass dies Konsequenz ihrer
Politik sei, reden aber ständig über Klimaschutz, weil sie andererseits
glauben, damit beim Wähler punkten zu können.
Anstelle des Eingeständnisses über das eigene Versagen wird über verbesserte
Katastrophenschutzpläne fabuliert, über die Wiedereinführung von analogen Sirenen
und mehr digitale Kommunikation. Als ob all das gegen eine ignorante
Politikerkaste helfen könnte, die mehrheitlich an fossilen Brennstoffen in der
Strom- und Wärmeerzeugung wie im Verkehr festhalten will. Die Debatten, die
inszeniert werden, sind Schmierenkomödien. Dabei lohnt auch ein Seitenblick auf
ARD und ZDF. Deren Verbindungen zu den Wetterfröschen sind bestens, aber die
Senderleitungen hielten es nicht für nötig, in eigener Verantwortung rechtzeitig
Alarm zu schlagen. Stattdessen beließen sie es bei Ihren üblichen Wettershows,
die viel Entertainment aber wenig Vorwarnung zu bieten hatten. Ganz nach dem
Motto, das dumme und unselbständige Volk braucht solche Informationen nicht,
will sie auch nicht, wozu dies also senden?
Für beide, Politik und Medien, galt vielmehr eine Linie der Volksverachtung,
die als tägliche Gardinenpredigt in Krimis, Nachrichten und Wettershows, eng
verknüpft mit der Werbung, längst zum Trommelfeuer geworden ist. Genau genommen
gibt es nur noch eine Botschaft. Ihr, das Volk, seid unfähig. Ohne eure
Obrigkeit seid ihr nichts. Gut möglich, dass Laschet in seiner Euphorie, sich
als wahlkämpfender Kümmerer aufspielen zu können, die tatsächliche Lage nicht
mal am zweiten Katastrophentag wahrgenommen hatte und glaubte, den Gute-Laune-Onkel
spielen zu müssen. Nicht verstanden hatte er vor allem, dass die Rettungskräfte
von seiner Regierung drei Tage zu spät mobilisiert worden waren. Und dass das
nicht zum Lachen war.
Zugleich fehlt ihm und Seinesgleichen wohl jedes Verständnis dafür, was zwei
Tage Not, Selbsthilfe und Solidarität mit den Menschen macht. Kritik an der Regierung, aber auch an der Wirtschafts- und
Lebensweise wird von den Regierenden schnell als „apokalyptische Polemik" verunglimpft
und kritisiert. Aber angesichts der Hochwasserkatastrophe dürfte
immer mehr Menschen deutlich werden, dass es sich hierbei um Ablenkung handelt.
Ablenkung von der tatsächlichen, existenziellen Gefahr, die von der
Klimaerhitzung wie auch von den massenhaften Zerstörungen in der Umwelt ausgehen
- und eben auch Ablenkung von erfolgversprechenden Aktivitäten zum Erhalt
natürlicher Lebensbedingungen. Weil diese Aktivitäten den Interessen der in
Wirtschaft und Gesellschaft herrschenden Kräften zuwider laufen.
Der zentrale Punkt der sogenannten Anti-Corona-Maßnahmen ist ja die
Vereinzelung der Menschen. Die Erfahrung "gemeinsam sind wir stark"
soll abgelöst werden durch das neue Credo "Gemeinsamkeit macht
krank". In den Hochwassergebieten schert sich darum aber niemand mehr.
Dort herrscht die Erfahrung "Vereinzelung ist tödlich" und "nur
gemeinsam haben wir eine Chance". Daraus ist eine großartige
Nachbarschaftshilfe entstanden. Diese stellt das Hoffnungsmoment innerhalb der
Katastrophe dar. Gerade auch angesichts der von Politikern herausposaunten Hilfsversprechen,
deren Einhaltung eher unsicher sein dürfte. Es könnte sich herausstellen, dass
der bestehende Staat unfähig ist, und es von der Initiative und Tatkraft
nachbarschaftlicher Gemeinschaften abhängt, ob eine lebensfreundliche Situation
erschaffen wird.
Zugleich stellt sich die Frage aber auch umgekehrt. Warum haben so viele
Menschen die Warnungen nicht wahrgenommen? Sie hätten dies tun können, wollten
es aber offenbar nicht. Viele leben noch in der Blase des Vertrauens in eine
Obrigkeit, die sie permanent missbraucht und enttäuscht. Die Illusion, die da
oben sind gut und die machen das für uns, hat sich für viele Menschen als
tödlich erwiesen. Noch nie haben Klimakrise und Raubbau an der Natur in
Deutschland so viele Opfer gekostet. Es wäre eine Fehleinschätzung zu glauben,
dies würde sich nicht wiederholen oder sogar verschärfen. Diese Entwicklung
wird sich nur stoppen und umkehren lassen, wenn immer mehr Menschen in die
Verantwortung gehen. Und darüber reden, öffentlich und im gesellschaftlichen
Diskurs.
Mehr im Internet:
Kein Politiker bekennt
sich zu seiner klimapolitischen Verantwortung, scienzz
Einmal mehr zeigt sich, diese Regierung ist menschenverachtend, unfähig und konzeptlos. Sie gehört aus unserer Sicht zurück getreten.
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