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- WETTERKATASTROPHE
Kein Politiker bekennt sich zu seiner klimapolitischen Verantwortung
Ueberschwemmungen, Wahlkampf und die Medien fahren die uebliche Katastrophen- und Hofberichterstattung
Klaus Oberzig
 | | Trügerische Idylle an der Ruhr in
Werden - Bild: scienzz
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Am Tag drei der Hochwasser-katastrophe im Südwesten und
Westen Deutschlands erscheinen einige Fakten deutlicher, die dem normalen TV-Konsumenten angesichts der emotionalen Bilder nicht sofort ersichtlich werden.
Die üblichen Specials von ARD und ZDF machen zwar eine Veränderung durch, doch
lässt sich eindeutig die Tendenz zur Hofberichterstattung feststellen. Es
dauerte eine ganze Weile, bis sich die Schwerpunkte dieser Sondersendungen
nicht mehr nur auf die Einsatz- bzw. Rettungskräfte konzentrierten. Erst
langsam scheint sich auch bei den Reportern vor Ort die Erkenntnis
durchzusetzen, dass der Schwerpunkt der Aktivitäten in den betroffenen Gebieten
wohl doch mehr bei der einheimischen Bevölkerung lag. Deren Solidarität und
Nachbarschaftshilfe war ganz offensichtlich in den ersten Stunden entscheidend.
Aber auch am Tag drei der Katastrophe dominiert in der Berichterstattung die
Darstellung des Staates und seiner Institutionen. Vor allem seit die Bundeswehr
mit schwerem Gerät an der Räumung beteiligt ist, kommt kein Fernsehstreifen
ohne vorbeirollende Panzer und Helfer in Tarnanzügen aus. Dass es auf
staatlicher Seite eine ganze Reihe von Versäumnissen gab wird, zumindest
gegenwärtig, nicht thematisiert. Denn trotz der Warnungen der Meteorologen und
der Klimaforscher gab es keine oder nur wenige Vorbereitung bei Behörden und
Rettungskräften, wenig Informationen für die Bevölkerung und z. B. auch keine
vorbeugenden Maßnahmen bei den Stauseen und Stauwehren. Obwohl die Opferzahlen hoch
sind, wird die Frage nach der politischen Verantwortlichkeit ausgespart.
Stattdessen war und ist unterschwellig zu spüren, dass die Bevölkerung zwar die
Opfer zu tragen, aber auch zu ertragen habe. Neben der Missachtung der
Solidarität der Menschen und der aktiven Nachbarschaftshilfe wird noch etwas
anderes sehr deutlich. Kein Politiker nimmt Stellung und steht zu seiner
klimapolitischen Verantwortung. Weder Finanzminister Scholz, der in
Rheinland-Pfalz vor die Presse trat, noch CDU-Chef und Kanzlerkandidat Armin Laschet,
der im betroffenen Hagen Parteifreunde lobte, noch die rheinland-pfälzische
Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Und schon gar nicht Kanzlerin Merkel, die zum
Zeitpunkt der Katastrophe durch die USA tingelte.
Armin Laschet sprach von einer Flut „historischen Ausmaßes" und für Malu Dreyer
habe uns eine Katastrophe „ereilt". Das klingt mystisch, schicksalhaft und unabwendbar. Kein Wort davon, dass seit Jahren eine gesellschaftspolitische
Debatte über die Klimakrise geführt wird und dass die Bundesregierung 2015 die
Pariser Klima Beschlüsse unterzeichnet, aber letztendlich keinen Finger gerührt
hat, um diese umzusetzen. Stattdessen wird blumig formuliert, das Wasser - es
wird plötzlich zum handelnden Subjekt hochstylisiert - kenne wie das
Coronavirus keine Grenzen. Die Wahnsinnswelle habe alle Dimensionen gesprengt.
Alleine in den Tagesthemen des Donnerstags gab der Potsdamer Klimaforscher
Stefan Rahmstorf ein mutiges Interview. Er betonte, dass die Klimaforschung
schon seit fast zwei Jahrzehnten vor genau vor dieser Entwicklung gewarnt und
deutlich gefordert habe, die Verwendung fossiler Brennstoffe einzustellen. Selbst
als die Aussagen über die Zunahme extremer Wetterlagen - einerseits Starkregen,
andererseits Dürreperioden - immer konkreter wurden, habe die Politik nicht
reagiert. Im Jahre 2018 hatte Rahmsdorfs damaliger Institutsleiter und Chef, Prof. Hans Joachim
Schellnhuber, den Begriff der "Heisszeit" ins Gespräch gebracht. Auch die Problematik der sogenannten Klima-Kipppunkte wurde thematisiert. Ohne
Resonanz in der Politik.
Stattdessen haben die Machthaber im Land die ausgerufene Coronakrise dazu genutzt,
die vierte industrielle Revolution, wie das ausgerufene Zeitalter der
Digitalisierung auch genannt wird, in die Tat umzusetzen. Die unheilige Allianz
von Energiewirtschaft, Tech-Monopolen und Big Pharma drängte nicht nur die
Demokratie zurück, sie setzten und setzen ihre Pläne zur Marginalisierung der Erneuerbaren
Energien in die Tat um. Die Scheinheiligkeit, mit der sie verbal für eine
Energiewende und den Kampf gegen die Klimakrise eintreten, wird krass
konterkariert durch die reale Entwicklung der Treibhausgasemissionen. Das gilt
nicht nur für CO2, sondern in besonderem Maße für Methan, das durch die
Erdgasförderung freigesetzt wird.
Das Pariser Klimaabkommen interessiert, zumindest die westlichen Regierungen, einen
feuchten Käse. Stattdessen tun sie alles, dass die Mehrheit der Klima- und
Energiewendefreunde am naiven Glauben festhält, ihre Regierungen würden sich
von den positiven Eigenschaften der Erneuerbaren Energien überzeugen lassen und
angesichts der Probleme auf dem Planeten mit der Wachstumsphilosophie brechen. Doch
das Gegenteil ist der Fall, wie die Coronapolitik zeigt. Vor diesem Hintergrund
erscheint es einleuchtend, das in den aktuellen Stellungnahmen keiner der
deutschen Politiker ein "mea maxima culpa" über die Lippen bringt.
Das was weltweit geschieht, spielt sich aktuell auch vor unseren Augen ab.
Allerdings so, dass es einer breiteren Öffentlichkeit verborgen bleibt. Seit der
Wirtschaftskrise, die jetzt Corona heißt, sinkt die Stromerzeugung mittels
Erneuerbaren Energien massiv, während die Verstromung mit Braun- und Steinkole,
mit Erdgas und sogar Atomkraft wieder kräftig ansteigt. 25 neue Gaskraftwerke
sollen als Ausgleich für alte Kohlekraftwerke gebaut werden. Anstelle von
Photovoltaik und Windkraftanlagen. Auch wenn verbal für PV-Anlagen auf allen Hausdächern
plädiert wird, steuert die deutsche Politik und die dahinter stehenden Oligarchen eine andere Richtung. Was zählt ist eben die Bilanz, nicht
ein einzelner Posten. Unterm Strich hat fossil Vorrang vor erneuerbar.
Es war also kein Zufall, wenn die Blockadewetterlage in Westeuropa sich zur
Katastrophe auswachsen konnte. Es ist vielmehr die Konsequenz einer
rücksichtslosen politischen Linie zur 4. Industriellen Revolution, die das
stromintensivste Zeitalter überhaupt werden soll. Ebenso wenig Zufall ist es, wenn
mehr oder minder offen zwischen den Zeilen der Statements führender
Bundespolitiker, z. B. Armin Laschet, herauszuhören ist, dass sie gar nicht
dran denken, ihren Kurs zu ändern. Den Bürgern wird in gewohnter Manier Hilfe
versprochen. Ganz nach dem Motto, egal was es kosten wird, wir machen das. Ganz
im Stile der Zahlungen für Betroffene des Lockdowns. Aber vielleicht wird der
nächste Lockdown ja nicht mehr mit Corona, sondern den Gefahren der Klimakrise
begründet.
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