- NATO
Die Legende vom Kriegsende in Afghanistan
Aber Nato-Truppen sollen durch zivile Soeldnereinheiten ersetzt werden
Klaus Oberzig
 | | Bundeswehrfahrzeug für den ISAF-Einsatz. Auf der
Flagge steht "Deutschland" auf Darī.
Bild: GeorgHH / wikipedia
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Die Bundeswehr könnte noch früher aus Afghanistan abziehen als geplant. Ursprünglich
hatte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) von Mitte August
2021 gesprochen. Inzwischen "wird der 4. Juli als Abzugsdatum
erwogen", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Die
endgültige Entscheidung für das Datum liege aber bei der Nato, genauer beim
NATO-Rat. Der Termin des Truppenabzuges wird als Herausforderung für die Logistik
hochgespielt. "Vor uns steht nun eine ... logistische Aufgabe. Aber auf diesen
Fall waren wir vorbereitet", so der Sprecher.
Statt
offizieller Truppen in Afghanistan werden die USA den Einsatz höchstwahrscheinlich
mit einer undurchsichtigen Kombination aus geheimen Special-Operations-Kräften,
zivilen Auftragnehmern der US-Regierung und verdeckten Geheimdienstmitarbeitern
weiterführen. Es gelte nach wie vor, die gefährlichsten Bedrohungen durch Al
Qaida oder den Islamischen Staat zu bekämpfen, werden aktuelle wie ehemalige Beamte
der Biden-Regierung in der New York Times zitiert. Im US-Soldatenblatt Stars
and Stripes wird von mehr als 18.000 Contractors, also Söldnern, plus rund
2.500 regulären Armeeangehörigen gesprochen.
In diesem Zusammenhang wird auch daran
erinnert, dass bereits der frühere US-Präsident Donald Trump die Privatisierung
des Afghanistan-Krieges ins Gespräch gebracht hatte. Damals war ein
entsprechender Vorschlag von Blackwater-Gründer Erik Prince im Gespräch. Blackwater,
inzwischen in „Academi" umbenannt, ist laut
Eigendarstellung das größte private US-amerikanische Sicherheits- und
Militärunternehmen. Es arbeitet als „ militärischer Dienstleister" für
Regierungsbehörden, Justiz und auch wohlhabende Bürger. Academi bietet sogar
die Durchführung von strategischen und punktuellen Operationen an.
Zu dieser Privatisierungsstrategie
gehörte auch, dass die Privatarmeen offiziell nicht für das Pentagon, sondern
für einen speziellen „US-Beauftragten für den Krieg" arbeiten sollten,
der direkt dem Präsidenten unterstellt worden wäre. Ob Blackwater-Gründer Erik
Prince nach dem Abgang von Donald Trump, dem er als Wahlkampf-Finanzier eng
verbunden war, noch im Rennen ist, bleib vorerst im Verborgenen. Allerdings
ähnelt das Vorgehen der Biden-Administration dem Szenario seines Vorgängers doch
frappierend. Und Biden hat die Militärausgaben gegenüber Trumps letztem
Haushalt nochmals erhöht.
Ein Beweggrund, warum die USA ein jährliches Militärbudget von fast einer
dreiviertel Billion Dollar haben, besteht darin, dieses Geld auch an private
Firmen zu verteilen. Als Hintergrund wird gerne angeführt, man müsse etwas für
die Veteranen tun, Es sei ja nicht so, dass Soldaten oder Veteranen besonders
gut verdienen würden. Allerdings finden sich noch viel wichtigere Gründe für
die Aufrechterhaltung der militärischen Präsenz, auch wenn diese nun andere
Uniformen tragen soll. Wie schön länger bekannt, schlummern im Boden des völlig
verarmten Landes riesige Reichtümer an Rohstoffen und Bodenschätzen. Geologen
sprechen von großen Mengen an Kupfer, Kobalt und Gold, die gegenwärtig auf
einen Wert von rund 820 Milliarden Dollar taxiert werden.
Zurück zur Bundeswehr. Ob die deutsche
Regierung vergleichbare Verschleierungen betreibt und deutsche Soldaten durch
private Söldner ersetzen will, ist nicht bekannt. Aber an einer Finanzierung
der Camouflage wird bereits kräftig gestrickt. Grundsätzlich, so werden Bundeswehrlogistiker
zitiert, gelte die Faustregel: Je kürzer die Zeit für den Abzug, desto mehr
Material müsse vor Ort bleiben und dort verschenkt, verkauft oder zerstört
werden. Wobei letzteres wohl kaum der Fall sein dürfte. Denn qualifizierte
Abnehmer, die mit Waffen und Gerät sachverständig umgehen können, wird es
genügend geben. Der Afghanistan-Krieg geht weiter, auch mit deutscher
Unterstützung.
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