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- PARTEIGESCHICHTE
(Alp)Traum einer Gruenen Kanzlerin
Die Gruenen und der Parlamentarismus: ein Lehrstueck
Christfried Lenz
 | | Vorsitzende Petra Kelly 1987, Kanzlerkandidatin
Annalena Baerbock 2021
Bilder: Olaf Kosinsky, Wikipedia
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Nachdem zuvor die Orgelmusik J.S. Bachs das Einzige gewesen
war, was mich wirklich interessierte, wurde ich durch die 68er
Studentenbewegung schlagartig politisiert.
Es geschah in einer "Immatrikulationsfeier" in der Neuen Aula der Uni
Heidelberg: Ich saß an der Orgel, um mit dem Studentenorchester ein Händelsches
Orgelkonzert zwecks Hebung der Festlichkeit aufzuführen. Die Rektorin trat ans
Rednerpult. Nach einigen Begrüßungsformeln bat sie die Anwesenden, sich zu
erheben, um der verstorbenen Universitätsmitglieder zu gedenken. „Im letzten
Jahr sind verstorben", begann sie, da ertönte hinten von der Saalempore kräftig
und deutlich ein Sprechchor mit den Worten „Benno Ohnesorg". Dieser war auf
einer Demonstration in Berlin von der Polizei erschossen worden. Damit wurde
nicht nur auf den eigentlich brisanten Todesfall des Jahres hingewiesen,
sondern gleichzeitig die ganze Belanglosigkeit, das ganze Larifarihafte, die
völlige Verfehltheit der soeben begonnenen Feier aufgedeckt. Es riss mich von
der Orgelbank. An den Pfeifen des Rückpositivs vorbei beteiligte ich mich -
begeistert wie nie zuvor - mit hoch erhobenen Armen am Klatschen, das die
Mehrheit der Anwesenden erfasst hatte.
Mit meiner politischen Abstinenz war es vorbei. Von Stund an interessierte ich
mich für die politischen Aktivitäten, die an der Universität angefangen hatten
und sich in einem rapiden Aufschwung befanden. Ich hatte verstanden, dass es
hier nicht um Parteiengezänk ging, sondern um tiefgreifende Vorgänge:
Veränderung der Hochschule, des ganzen Ausbildungswesens, der Wissenschaft
selbst, der ganzen Kultur und darüber hinaus Änderung der
Gesellschaftsstrukturen und der Menschen selbst. Es ging um nichts weniger als
die schönsten und tiefsten Träume der Menschheit, es ging um meine schönsten
und tiefsten Träume.
Jahre später begann mit Gründung der Grünen Partei der "Marsch durch die
Institutionen". Ich beobachtete das Geschehen und was sich daraus
entwickelte, interessiert. - Was meines Erachtens hiervon zu lernen wäre, habe ich in dem
folgenden Beitrag "Die Grünen und der Parlamentarismus - ein
Lehrstück" versucht darzustellen.
Sich mit dieser Erfahrung gründlich zu befassen, scheint mir gerade heute
wichtig zu sein, wo eine neue Partei "Die Basis" sich anschickt,
einen solchen "Marsch" erneut anzutreten.
Nach Genuss des Nachkriegs-Wirtschaftswunders traten seit etwa Mitte der 1960er
Jahre Unstimmigkeiten zunehmend ins Bewusstsein:
- Die
imperialistische Ausbeutung und Unterdrückung der „3. Welt", deren extreme
Grausamkeit im Krieg der USA gegen Vietnam besonders sichtbar wurde,
- die
enge Verbundenheit der Bundesrepublik Deutschland mit eben diesen USA,
- der
oberflächliche Charakter der sog. „Entnazifizierung", die nicht verhindert hatte,
dass viele ehemals führende Nazis weiterhin leitende Funktionen in Politik,
Wirtschaft und Wissenschaft innehatten,
- Abweichungen
vom Geist des Grundgesetzes: Wiederbewaffnung, KPD-Verbot, später die
Notstandsgesetze.
Studenten, insbesondere der geisteswissenschaftlichen Fakultäten,
arbeiteten heraus, dass die kapitalistische Profitgenerierung treibender Faktor
all dieser gegen die Lebensinteressen der Menschen gerichteten Vorgänge ist.
Selber unmittelbar betroffen waren sie von der „technokratischen Hochschulreform".
Diese zielte darauf ab, freie, kreative wissenschaftliche Betätigung durch
schulmäßiges Erlernens von in der Wirtschaft benötigten Fähigkeiten zu
ersetzen.
Die Studenten beschränkten sich nicht aufs Analysieren, sondern brachten ihre
Kritik und ihre Vorstellungen in großen rebellischen Aktionen sowie in
alternativer wissenschaftlicher Praxis zum Ausdruck. Auch in anderen Teilen der
Bevölkerung regte die 68er Bewegung viele Menschen an. Sie alle verstanden sich
als „Außerparlamentarische Opposition" (APO) und änderten am Lebensstil in
Westdeutschland eine ganze Menge.
Etwas später trat zu diesen Themen ein völlig neuer, bzw. zuvor nicht
wahrgenommener Problembereich hinzu: die
durch die Raubbaumethodik des kapitalistischen Wirtschaftens allenthalben
hervorgerufene Verschmutzung und Zerstörung der Umwelt. Auch er fand seinen
Ausdruck in außerparlamentarischen Initiativen. Im Kampf gegen die
lebensfeindliche Atomenergienutzung kam es zu einer machtvollen Fokusierung
dieser Ansätze.
„Marsch durch die Institutionen": Gründung der Grünen Partei
Marxens Feststellung, dass die parlamentarisch gewählte Regierung nichts
weiter ist als der „geschäftsführende Ausschuss der Bourgeoisie" war in den
kritischen Kreisen weitgehend Allgemeingut geworden und durch aktuelles Erleben
bestätigt worden. Gleichwohl waren Viele der Auffassung, dass man das
bestehende System nicht nur von außen bekämpfen, sondern auch in sein Inneres
eindringen sollte. Die einen verstanden darunter, mit Hilfe interner Kenntnisse
die Widersprüchlichkeit und Verlogenheit des Systems sichtbar zu machen, andere
erhofften sich von der Mitwirkung im Parlament bessere Chancen für die
Durchsetzung von Forderungen.
Der „Marsch durch die Institutionen" wurde jedenfalls von genügend Vielen gewollt,
sodass die Grüne Partei entstehen konnte.
Dieser war bewusst, dass sie sich auf gefährliches Terrain begab, auf ein
Gebiet, das nicht zu ihrem Wesen passte. Durch Festlegungen per Statut gedachte
sie, den hier drohenden Verrat an der eigenen Sache zu verhindern. Sie
definierte sich als „Anti-Parteien-Partei", deren „Standbein" sich in der
außerparlamentarischen Bewegung befand, während das parlamentarische Bein nur
„Spielbein" sein sollte.
- Die
Sitzungen aller Gremien waren öffentlich.
- Es
galt das Konsensprinzip.
- Gewählte
Vertreter waren an ein imperatives Mandat gebunden.
- Um
Machtkonzentration und Berufspolitikertum zu verhindern, mussten
Funktionsträger nach der Hälfte der Legislaturperiode wechseln.
- Alle
Parteifunktionen waren ehrenamtlich.
- Einnahmen
aus Diäten, die einen Facharbeiterlohn überstiegen, mussten an die Partei
abgeführt werden. (1)
Die Grünen unterschieden sich grundsätzlich von sämtlichen bisher
existierenden Parteien. Letztere vertraten immer die Interessen einer
bestimmten gesellschaftlichen Gruppe oder Klasse. Die Arbeiterbewegung hatte
die Farbe rot gewählt, die konservativen, mit der Bourgeoisie verbundenen
Kräfte, schwarz. Grün steht für gesunde und lebendige Natur, hat also keinerlei
Bezug zu einer bestimmten sozialen Gruppe. Es weist vielmehr auf das hin, was
die gesamte Menschheit als Existenzgrundlage benötigt.
„Partei" kommt von lateinisch „pars" = Teil. Eine Partei ist niemals das Ganze,
sie ist „parteiisch", hat immer andere Parteien als Gegner. Den Grünen ging es
um das Ganze, sie konnten daher - bei
Licht betrachtet - gar keine „Partei" sein! Dies war ihnen selber jedoch nur
vage bewusst. Wer sich als „Anti-Parteien-Partei" definiert, hält sich
innerhalb des Parteienwesens auf, auch wenn er es negieren möchte. - Analoges gilt
für die „Außerparlamentarische Opposition", die für die Definition ihrer selbst
das Parlament benötigt.
Eine Ahnung war vorhanden bei den Grünen, dass sie etwas grundlegend anderes
sind, bzw. zur Aufgabe haben, als alle anderen Parteien. Diese Ahnung war
jedoch zu schwach, um dauerhaft zu tragen. Die anfänglichen Vorsätze waren
daher nicht von Bestand.
Wirtschaftsführer prägen die Realität
Der parlamentarische Apparat ist hoch kompliziert. Das hängt damit
zusammen, dass das Volk der oberste „Souverän", als welcher es bezeichnet wird,
es in Wirklichkeit nicht ist. Tatsächlich bestimmen die Eigner der Wirtschaft
mit den Produkten, die sie produzieren, die Realität und wo die Reise hin zu
gehen hat.
Beispielsweise hat die Erfindung des Fernsehens immense Auswirkungen auf
Geisteszustand und Verhalten der Bevölkerung. Zuvor wurde der Feierabend von
den Menschen gestaltet, mit einem Hobby, mit Lektüre, mit Gespräch und
geistigem Austausch im Familienkreis. Der Fernseher machte aus Letzterem einen
Halbkreis und sorgte dafür, dass die Eigenaktivität durch Konsum der
angebotenen Unterhaltung ersetzt wurde. Die Weiterentwicklung von schwarz/weiß
zu immer perfekteren Farbbildern entfachte das Interesse des „Souveräns" stets
aufs Neue.
Seine in die Parlamente gewählten Vertreter haben auf dieses folgenreiche
Geschehen keinerlei Einfluss. Allenfalls können sie empfehlen, dass die Zeit,
die Kinder und Jugendliche vor dem Bildschirm verbringen, nicht zu lang sein
sollte.
Dies ist eines von zahllosen Beispielen, die deutlich machen, wer die
Wirklichkeit prägt. - Und nun soll „die
Politik" den Anschein erwecken, dass sie regiert. Diese Aufgabe ist keine
leichte! Etwas, was nur ein Anschein ist, so zu drapieren und zu präsentieren,
dass es von der Bevölkerung als Wirklichkeit geglaubt werden kann - man sage
nicht, dass das nicht auch eine Kunst sei! Und diese Kunst, die in 150 (?) Jahren Parlamentarismus entwickelt und
verfeinert wurde, kann man nicht einfach so auf die Schnelle erlernen. In zwei
Jahren bekommt man vielleicht heraus, wie der Hase in etwa läuft - und da muss
man dem Nachfolger Platz machen, der nun wieder von vorne anfängt.
Also: Rotation, Basisdemokratie, imperatives Mandat und die weiteren
alternativen Vorhaben der Grünen stellten sich als mit Parlamentsarbeit nicht
kompatibel heraus und wurden gekippt.
Weitere bittere Erfahrungen kamen hinzu: der angebliche Souverän erwies sich in
vieler Hinsicht dem tatsächlichen Souverän - der kapitalgesteuerten Wirtschaft
- deutlich zugeneigter als den Visionen der Grünen. Als diese vorhatten, ihm
die Freude an seinem liebsten Spielzeug durch einen Spritpreis von 5 DM zu
vergällen, stieg er auf die Barrikaden.
Erstgeburtsrecht für ein Linsengericht verkauft
In der Folge richteten die Grünen ihre Programmatik weniger an den umwelt-
und klimapolitischen Notwendigkeiten aus, als an solchen Forderungen und
Vorhaben, durch die Wählerstimmen zu erwarten waren. Sitze im Parlament wurden
als das entscheidende Erfolgskriterium betrachtet, denn inzwischen hatte sich
die Meinung durchgesetzt, dass nur vom Parlamenten aus etwas bewirkt werden
könne. Die Auffassung vom „Standbein in der Bewegung" und von der
Parlamentsarbeit als bloßem „Spielbein" war Vergangenheit.
Damit haben die Grünen ihr Erstgeburtsrecht für ein Linsengericht verkauft.
Statt über die Scheinhaftigkeit der Regierungskompetenz des parlamentarischen
Systems aufzuklären, helfen sie durch Wort und Tun nun selber mit, als Realität
hinzustellen, was in Wirklichkeit Attrappe ist. Die „Richtlinienkompetenz"
liegt allemal bei den Wirtschaftslenkern, nicht bei den Regierungschefs. Diese
sind nur die obersten Lakaien und haben niedrigere Lakaien unter sich. Mit
dieser Rolle geben sich nun auch die Grünen zufrieden.
Bei der Selbstauflösung des grünen Ansatzes ins kapitalistisch-parlamentarische
System ging man richtig gründlich zu Werke. Sogar die als unantastbar geglaubte
Verwurzelung im Pazifismus wurde über Bord geworfen. 1999 befürwortete die
Partei den Kosovo-Krieg. Das löste - gerade unter der Gründergeneration - eine
Austrittswelle aus. Andere Teile der Grünen fanden aber gar nicht so schlecht,
dass Alt-Revoluzzer aus den 60er Jahren die Partei verließen und deren völliges
Anschmiegen ans ehemals Bekämpfte nicht mehr im Weg standen.
Durch den Zusammenschluss mit „Bündnis 90" im Zuge der Wende war die
staatstragende Ausrichtung weiter gestärkt worden. Als durch das 9/11-Ereignis
2001 in New York eine verschärfte Politik der inneren Sicherheit mit
Einschränkungen von Bürgerrechten ausgelöst wurde, zogen Bündnis 90/Die Grünen
dieser Schwerpunktsetzung zuliebe umweltpolitische Themen mehr in den
Hintergrund. Im Grundsatzprogramm von 2002 ließen sie den antikapitalistischen
Anspruch fallen. In der rot/grünen
Koalition unterstützten sie den Kahlschlag sozialer Rechte durch Kanzler Schröders
„Agenda 2010".
Ganz aktuell unterstützen die Grünen sogar die Vorhaben des globalen
Superkapitals, selbst die bescheidenen Rechte und Möglichkeiten, die zur
Aufrechterhaltung eines demokratischen Scheins bisher eingeräumt wurden, zu kassieren:
In ihrem Programm zur Bundestagswahl 2021 stimmen sie der „vorläufigen"
Inkraftsetzung des CETA-Freihandelsabkommens mit Kanada zu, worin u.a.
Verbraucherrechte, soziale und Umwelt-Standards abgebaut, Teile des
Grundgesetzes aufgehoben und geheim tagende private internationale
Schiedsgerichte institutionalisiert werden. (2)
Mit Heranziehung von „Corona" als Begründung wird die Abschaffung von Rechten
derzeit auf die fundamentalsten und natürlichsten Lebensfreiheiten der Menschen
ausgeweitet. Auch dies dulden die Grünen nicht bloß, sondern fördern es aktiv.
Veränderungen nur durch Machen möglich
Die wichtigsten Sparten der in den 1960er und 1970er Jahren entstehenden
Bewegungen waren diejenigen, die sich nicht auf Worte und Theorien
beschränkten, sondern Fakten produzierten. In den Branchen, deren Produkte dem
Menschen besonders nah sind, entstanden Unternehmen, die die umfassende
Bedeutung des Umweltschutzes begriffen hatten und dass Umweltschutz
Menschenschutz ist. Die biologische Landwirtschaft brachte gesündere und
schmackhaftere Lebensmittel hervor als die industrialisierten Betriebe mit
Massenproduktion und Gifteinsatz. Auch in der Textil-, Möbel- und Baubranche
wurde der biologische Gedanke umgesetzt. Durch Nutzung gesunder und naturnaher
Materialien wurden Wohlbefinden und Lebensfreude gesteigert.
Das sind die Ansätze, in denen ein neues Machen und damit auch eine neue
„Macht" die Bühne betritt. Hier werden Qualitäten kreiert, die die
kapitalgesteuerte Wirtschaft nicht liefern kann. In diesen neuen Sparten ist
auch ein neuer Typus Mensch am Werk. Natürlich will er auch leben und seine
natürlichen Bedürfnisse befriedigen, aber an Profitgenerierung ist er nicht
interessiert. Es macht ihm Freude, anderen Menschen gute und gesunde Produkte
zur Verfügung zu stellen. - Ja, dahinter steckt eine Liebe! Diese auszuleben,
ist für ihn Erfüllung.
Zu diesen Ansätzen gesellten sich hoch interessante neuartige Perspektiven in
der Energieerzeugung: Man begann, die Möglichkeit, mit Sonnenlicht Strom zu
erzeugen, nicht nur im Weltraum, sondern auch auf der Erde anzuwenden.
Gleichzeitig wurde die Leistung von Windrädern durch moderne Technologien
ungemein gesteigert. Die Entwicklungen waren jedoch kostenintensiv.
Einzige Sternstunde des Parlamentarismus
An dieser Stelle rückt nun ein Geschehen in den Fokus, das als der
erstaunliche Fall einer Sternstunde des Parlamentarismus bezeichnet werden
könnte: Photovoltaik und Windkraft hatten das Potenzial, die klima- und
umweltschädlichen fossilen und atomaren Energien zu ersetzen - sofern es
gelang, durch Massenproduktion die Herstellungskosten erheblich zu senken.
Es ging also darum, unter den Bedingungen des alten Systems und unter Nutzung
von dessen Möglichkeiten etwas hervorzubringen, was nicht nur die Energieerzeugung
erneuerte, sondern die komplette Daseinsweise der Menschheit zu einem
harmonischen Umgang mit den Ressourcen des Planeten hinwenden konnte.
Dies gelang mit der Verabschiedung des „Erneuerbare Energien Gesetzes" (EEG) im
Jahr 2000 durch den Deutschen Bundestag. Es war ein Husarenstück. Die rot/grüne
Regierung war klar gegen ein solches Gesetz. Die Abgeordneten Hermann Scheer
(SPD) und Hans-Josef Fell (Grüne) formulierten es daher selbst - und
organisierten mit Hilfe einer Gruppe von Mitstreitern die Bundestagsmehrheit.
Dieser einmalige Fall eines „Parlamentsgesetzes" löste die beabsichtigte
„Lernkurve" der Erneuerbaren Energien aus, die selbst optimistische Erwartungen
weit übertraf. In zahlreichen weiteren Ländern wurden daraufhin ähnliche
Gesetze erlassen.
Zu diesem epochalen Erfolg hatten Grünenpolitiker entscheidend beigetragen.
Auch als einige Zeit später CDU und SPD daran gingen, das Gesetz zu
deformieren, um seine Wirkung abzuschwächen, hielten die Grünen mehr oder
weniger heftig dagegen.
Wo es ums Ganze geht, biegen die Grünen ab
Inzwischen kommen mehr als 50% des Stroms aus erneuerbaren Quellen. Damit
wird die abschließende Phase der Strom-Energiewende eingeläutet: die Übernahme
der Verantwortung für die Stromversorgung insgesamt durch die Erneuerbaren. Das
aber bedeutet, dass an die Stelle weniger Konzerne Millionen von Bürgern
treten, die mit ihren Solaranlagen alle zur Stromerzeugung beitragen. Dieser
Wechsel kann nicht ohne grundlegende Änderungen der gesellschaftlichen und
politischen Strukturen von statten gehen.
Hier aber stoppen die Grünen. Ihr Bekenntnis zum Kapitalismus ist zu tief
verwurzelt. Statt gemeinsam mit der Energiewendebewegung zu kämpfen, setzen sie
auf ein System, in dem die alten Konzerne am Drücker bleiben. Gemeinsam mit CDU
und SPD verschieben sie den Umstieg auf 100% Erneuerbar, um dem Erdgas als
„Brückentechnologie" eine Phase von unbestimmter Dauer einzuräumen.
Fazit
Dankbar sein kann man den Grünen für Zweierlei: Erstens für die praktische
Demonstration, dass Parlamente Sprechorgane sind, aber keine Kompetenz für
relevante Wirklichkeitsgestaltung haben und zweitens für die Erfahrung, dass
Kräfte, die zunächst guten Willens gewesen sein mögen, den Grundcharakter des
Parlamentarismus aber nicht verstanden haben, vom parlamentarischen Betrieb
eingefangen und beigebogen werden.
Verändert wird die Wirklichkeit nur durch Wirken, durch Machen. Nie zuvor war
die Notwendigkeit einer auf das Gemeinwohl ausgerichteten Wirtschaft größer als
heute, wo es um die Erhaltung der Lebensvoraussetzungen für Menschen auf dem
Planeten geht. Von einem durch Aussicht auf Profit motivierten Handeln kann
diese Aufgabe niemals vollbracht werden.
Die Hoffnung fußt auf den umwelt-, natur- und klimafreundlichen
Wirtschaftsansätzen, die gerade auch im Energiesektor bereits bedeutende
Fortschritte erreicht haben. Diese Ansätze gilt es zu stärken - durch
praktisches Mitwirken und durch die richtigen Kaufentscheidungen als
Verbraucher.
Ein umfassender Klärungsprozess zu diesen Zusammenhängen ist auf allen Ebenen
und in allen Sparten der Gesellschaft nötig, somit auch in den Parlamenten. Der
Einsatz eines Beines ist dort aber nicht erforderlich. Die Sprechwerkzeuge
reichen. Stehen sollte man in den gesellschaftlichen Bereichen, wo gewirkt und
gemacht wird - mit beiden Beinen.
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