- AUTOBAHNBAU
Autogerechte Trasse durch die Altmark
Der Weiterbau der A 14 in der Altmark stoesst auf Widerstand der Klimaschuetzer
Christfried Lenz
 | | Im Dorfzentrum der Klimaschützer - Bild: Lenz
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Das gepriesene Urteil des Bundesverfassungsgerichtes für mehr Klimaschutz bewirkt
einstweilen nicht mehr Klimaschutz, sondern lediglich weitere Klagen für
selbigen. Gegen fünf Landesregierungen hat die Deutsche Umwelthilfe sie
eingereicht. ()
Der BUND hat sich den Bundesverkehrswegeplan vorgenommen. Ein
von ihm beauftragtes Rechtsgutachten kommt zu dem Ergebnis: „dass sowohl der
Fernstraßenbedarfsplan (Anlage zum Fernstraßenausbaugesetz vom ) als
auch der Bundesverkehrswegeplan (BVWP) 2030 die EU-rechtlichen Vorgaben zur
Strategischen Umweltprüfung nicht erfüllen. Darüber hinaus beachten die Pläne
die Belange des Klimaschutzes nicht entsprechend des Klimabeschlusses des
Bundesverfassungsgerichts vom und sind deshalb unions- und
verfassungsrechtswidrig." ()
Auf das Tun hat dies bislang keinen Einfluss. Der Region
„Altmark" in Sachsen-Anhalt wird bis 2050 eine Versteppung prognostiziert. In
den Dürresommern 2018 und 2019 sank das Grundwasser auf einen Tiefstand, von
dem es sich auch in den etwas regenreicheren Jahren danach nicht erholt hat.
Den Bundesverkehrsminister Scheuer hielt das aber im
September 2021 nicht davon ab, den Bau eines Teilstücks der A 14 zu eröffnen,
dem große Flächen belebten Bodens mir Biotopen und noch gesunden Wäldern in der
Altmark zum Opfer fallen sollen.
Gegen das Vorhaben kämpft das „Bündnis VERKEHRSWENDE
ELBE-ALTMARK" (). An vorderster Front stehen junge Menschen, die
Bäume im Seehausener Forst, durch den die Trasse verlaufen soll, besetzt haben.
Seit Monaten halten sie in ihrem Dorf aus Baumhäusern die Wacht.
Ihre Intentionen gehen über die Verhinderung eines
schädlichen Bauprojektes weit hinaus. Sie demonstrieren, dass der Lebensstil,
der sich in der „Normalgesellschaft" herausgebildet hat, alles andere als
„alternativlos" ist. Auch bei Temperaturen von 10 Grad und darunter lässt es
sich in den schwingenden Baumwipfeln gut leben - und intensiver als in
zivilisatorischen Strukturen, in denen alles bis ins Kleinste geregelt und
vorgegeben ist!
Der Energiebedarf ist minimal. Ein paar Solarmodule laden
Laptop und Handy. Wenn es im Winter richtig kalt wird, werden sie
zusammenrücken und auch ein paar Öfen in Gang setzen.
Sicher ist das alles kein „Modell" für die derzeitige
Gesamtgesellschaft. Es ist aber auch gut vorstellbar, dass es in der Zukunft
ein „Modell" sowieso nicht mehr geben wird. Allemal wer heute jung ist, wird
erleben, wie die Klimaerhitzung bestehende Strukturen hinwegfegt. Welche Formen
neu entstehen, wird sich zeigen.
Das Schlüsselwort der Baumbewohner lautet: Autarkie!
Dezentrale Einheiten, die sich mit Nahrung, Sonnenenergie und vielem Weiteren
selbständig versorgen. In Form der „Solidarischen Landwirtschaft" existieren
bereits solche Ansätze.
Die Stimmung im Besetzerdorf ist lebendig und lebensfroh.
Besucher kommen, um sich einen Einblick in diese andere - und ihnen gleichwohl
irgendwie nicht fremde - Welt zu verschaffen.
Gegenwärtig gilt ein Gerichtsbeschluss, wonach die Aktion
rechtens ist. Wird aber ein Tag kommen, wo dann doch die Motorsägen anrücken,
um dem Wald, dem Klimaschutz, den Baumhäusern - und vielleicht sogar Bewohnern
- ein Ende zu bereiten? Im Hambacher Wald gab es bekanntlich einen Todesfall. ()
"We hate all Politicians" teilen die Waldbesetzer
an ihrem Zentralbau mit. Vielleicht lassen sich einige Politiker gerade dadurch
dazu provozieren, den Kampf gegen die Umsetzung des völlig aus der Zeit
gefallenen Bundesverkehrswegeplans aktiv zu unterstützen? „Wir werden auf
Basis neuer Kriterien einen neuen Bundesverkehrswege- und -mobilitätsplan 2040
auf den
Weg bringen." steht sogar im Vertrag der Ampel-Koalition.
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