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- POLITISCHER WIDERSTAND
Die Verbreiterung des Widerstands ist notwendig
Ein Buendnis mit der Energiewende- und Klimabewegung kann neue Dimensionen oeffnen
Klaus Oberzig
 | | Klimademo am 24. September 20221 in Berlin: Die Zersplitterung der
unterschiedlichen Kapitalismuskritiker muss überwunden werden
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Die Pandemiepolitik der neuen Pharaonen aus dem kalifornischen
Silicon Valley und ihrem faschistoiden Hauptquartier im Genfer
Weltwirtschaftsforum (WEF) zielt auf die Beseitigung der bürgerlichen
Freiheiten. Diese seien schon zu sehr ins Kraut geschossen. Die Zielsetzung hin
zu einem absolutistischen, posthumanistischen Gesellschaftszustand hat die Widerstandsbewegung
klar analysiert und verstanden. Mit ihren politischen und wissenschaftlichen
Beiträgen gegen die kruden Krankheits- und Überwachungstheorien der Pharma- und
IT-Industrie hat sie schnell an Bedeutung gewonnen und eine erstaunliche Intensität
entwickelt. Sie muss aber auch in andere gesellschaftskritische Bereiche und
Gruppen vordringen.
In den westlichen
Gesellschaften, denen die hinter den Kulissen herrschenden Extremreichen das
Reflektieren und Diskutieren abgewöhnen und die Menschen in den Zustand
unmündiger Kinder versetzen wollten, ist etwas Erstaunliches geschehen: Der
Frontalangriff vom Frühjahr 2020 hatte zunächst zwar einen Schock ausgelöst,
konnte den Widerstand aber nicht brechen. Dieser ist gereift aus den
Herausforderungen hervorgegangen und hat eine große Erkenntnis- und
Aufklärungsarbeit geleistet - auf hohem Niveau, mit viel Engagement, Mut und
der nötigen Angriffslust. Das hat die dürftige Propaganda der alten Medien und
ihrer Hintermänner heftig konterkariert.
Immer mehr Menschen werden von den alternativen Medien erreicht und
verstehen deren Botschaften. Sie sind immer weniger bereit, gegen ihre eigenen
Interessen zu handeln. Insofern bewahrheitet sich die Erkenntnis des
Militärtheoretikers Carl von Clausewitz, der gesagt hatte, man könne einen
Krieg oder einen Feldzug akribisch planen, habe er aber erst einmal begonnen,
würden die Ereignisse ihre eigene Dynamik entwickeln. Der alte Preuße hatte
aber auch vor dem Fehler gewarnt, die Analyse der eigenen Stärken und Schwächen,
zu vernachlässigen.
In dieser Hinsicht steht die Widerstandsbewegung noch ziemlich am Anfang. Viele
Aktive sind noch ausschließlich auf Corona, Pandemie und Gesundheit fokussiert,
eben auf das Terrain, auf dem der Angriff begonnen hat. Das wird weiterhin
notwendig sein, sollte aber durch die Suche nach Verbündeten aus anderen
gesellschaftlichen Bereichen ergänzt und verbreitert werden. Etwa die
Umweltbewegungen, die Bewegung für Bio-Lebensmittel oder Vegetarier und
Veganer, die den Umgang mit Nahrungsmitteln und Umwelt so nicht mehr hinnehmen
und einen anderen Weg gehen wollen.
Selbst den sogenannten „Oligarchen" - diesen Ausführungsorganen des
extrem konzentrierten Kapitals - dürfte klar sein, dass ihre Wirtschaftsweise
die gegenwärtige Krise nicht wird überstehen können. Sie hoffen, mit einer
schwachen, kranken und manipulierbaren Menschheit an der Macht und an den
Quellen des Reichtums bleiben zu können. Ihre aufgeblasene Propagandaformel von
der Digitalisierung der Gesellschaft bedeutet nicht „Fortschritt", sondern
beabsichtigt die zentrale Überwachung und Steuerung sämtlicher Lebensvorgänge,
auf gesellschaftlicher Ebene, wie im Privaten. Letztlich läuft das auf die
Abschaffung des Menschen als lebendiges, fühlendes und denkendes Wesen hinaus.
Den diametralen Gegensatz zu einer solchen Zukunftsperspektive und die
Chance, diese zu vermeiden, stellen die erneuerbaren Energien dar. Sie sind das
Gegenteil von zentralistisch, sie sind dezentral. Sonne und Wind sind (fast) überall
naturhaft vorgegeben und können dort, wo es gebraucht wird, in Elektrizität
oder nutzbare Wärme umgewandelt werden. Sie benötigen keine zentral betriebenen
Netze. Je nach den Bedingungen vor Ort ermöglichen sie kleine oder auch
größere, in sich autarke Energieeinheiten. Die hierzu notwendigen Technologien
liegen ausgereift vor und sind billiger als die Versorgung durch fossile oder
atomare Energie. Dass sie nicht längst überall genutzt werden, ist Ergebnis
widriger gesetzlicher Regularien, die von den politischen Organen gezielt
geschaffen wurden, um den konventionellen Energien in der Hand großer Konzerne
den Markt zu erhalten.
Letztere sind zu einer Macht herangewachsen, die in einem Raum oberhalb von
Nationalstaaten und auch oberhalb von Staatenbünden (wie der EU) agiert. Im
Bündnis mit Big Pharma und der IT-Industrie ist ihr Einfluss auf das
Weltgeschehen, enorm. Die fossile Energiewirtschaft ist der Dritte
im Bunde, von dem oft vergessen wird, dass die anderen ohne ihn nicht
existieren könnten. Ohne Strom keine digitalen Impfausweise, keine Datenbanken
und auch keine Überwachung. Nach dem Willen der Oligarchen soll es in Zukunft
eine All-Electric-Society geben - und Digitalisierung möglichst ohne
Solarenergie.
Durch den Klimawandel ist ihnen aber ein Problem erwachsen, und zwar ein
existenzielles: Der entscheidende Ansatz gegen die Klimaerwärmung liegt nämlich
in der Umstellung der Energieerzeugung auf regenerative Energien. Und hier
müssen Großkonzerne und die mit ihnen verbundene Finanzwirtschaft passen: Ihre
Struktur, ihr ganzes Wesen, ihre Wirtschafts- und Denkweise sind zentralistisch
und monolithisch. Wenige Komplexe, jeweils bestehend aus Brennstoffgewinnung,
zentralen Großkraftwerken und Übertragungsnetzen, sind die großtechnischen
Bestandteile und Kapitalanlagebereiche ihres Systems. Es hinterlässt am Ende
einen hochgradig schädlichen Abfall - Treibhausgase, beziehungsweise
radioaktiven Müll.
Die erneuerbaren Energien, die im Energiesektor die einzige Möglichkeit
darstellen, einer Klimaerwärmung entgegen zu wirken, sind wegen ihrer
dezentralen Struktur kein Betätigungsfeld für das hoch konzentrierte Kapital.
Sie sind Domäne des Mittelstandes bis hinunter zu Einzelpersonen. In einer
Gesamtstruktur aus erneuerbaren Energien ist also kein Platz für Großkonzerne.
An deren Stelle treten Millionen von Menschen, vielfach „Prosumer", die den
Strom, den sie brauchen, selber machen, bzw. sich von der Sonne machen lassen.
Den Übergang vom fossil-atomaren System zur Versorgung durch Erneuerbare
beschreibt Hermann Scheer, Pionier und Vordenker der Energiewende, folgendermaßen:
"Die autonome Aneignung Erneuerbarer Energien durch eine Vielzahl von
Akteuren ist die einzige erfolgversprechende Methode, den Energiewechsel
rechtzeitig und unumkehrbar gegen die Funktionslogik des überkommenen
Energiesystems durchzusetzen. Dieser
Weg zum Durchbruch erneuerbarer Energien führt zu einer durchgängig neuen
Struktur der Energienutzung, die nur neben der gegenwärtigen entstehen kann -
und diese, Zug um Zug ersetzt und schließlich überflüssig macht".
In Deutschland wird mit über zwei
Millionen Anlagen der erneuerbaren Energien derzeit rund die Hälfte des
Strombedarfes gedeckt. Bezieht man die Wärmeversorgung und die Mobilität mit
ein, beträgt der Anteil der Erneuerbaren
über 16%. Dieser Stand ist gegen ein ausgeklügeltes Arsenal von
bürokratischen und finanziellen Hürden und Hemmnissen erkämpft worden. Das
zeigt, welche Kraft und Vitalität in der Energiewendebewegung pulsiert.
Die Ablösung des von Großkonzernen geführten fossil-atomaren Energiesystems durch
eine Struktur aus Millionen kleinen Erzeugungsanlagen - individuell, umwelt- und klimafreundlich -
kann nicht ohne Veränderungen der Gesellschaft von statten gehen. Wie die im
19. Jahrhundert entstandene, auf fossiler Energie fußende und zentralistisch
organisierte Großindustrie die Massenfertigung gleichartiger Produkte
hervorbrachte und die Lebensbedingungen veränderte, so wird eine dezentrale,
autarke Energiestruktur das Denken und Handeln der Menschen verändern.
Es wäre ein strategischer Fehler, den inneren
Zusammenhang von zentraler Kontrolle der Energieversorgung und digitaler
Überwachung und Steuerung der Menschen zu ignorieren. Wer Covid-19 hinter sich
lassen will, wer den Gesellschaftsaufbau von unten anstrebt, benötigt eine
dezentrale Energieerzeugung in der Hand und unter Kontrolle ihrer Millionen von
Anwendern.
Selbst wenn es sich herausstellen sollte, dass die Angstmaschine Corona ihren
Zweck verfehlt, werden neue Versuche folgen, die Unterwerfung unter autoritäre
Herrschaftsverhältnisse zu erzwingen. Dagegen hilft allein der Zusammenschluss
aller demokratischen Bewegungen. Mit den erneuerbaren Energien steht eine
offensive Kraft zur Verfügung, die mit der ihr immanenten Eigenschaften
Autonomie, Freiheit und Demokratie befördern kann.
Die Klimaschutz- und Energiewendebewegung ist uneinheitlich, man kann aber auch
positiv sagen: vielfältig. Allemal ist sie zahlenmäßig stark und vor allem
lebendig. Sie folgt nicht allein idealistischen Vorstellungen von Freiheit und
Autonomie, sondern besitzt aufgrund ihrer wirtschaftlichen Existenz
materielles, wirklichkeitsgestaltendes Potenzial. Dieses wirtschaftliche
Potenzial gibt ihr zugleich politisches Gewicht. Allerdings muss sie sich
dessen erst einmal bewusst werden. Das Gleiche gilt aber auch für den
Corona-Widerstand.
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