- DEMO-FAZIT
Die Demo des 1. August war ein Erfolg
Auch wenn viel weniger Teilnehmer als letztes Jahr da waren, zeigt sich eine Konsolidierung
Klaus Oberzig
Der
Widerstand hat sich weder von den massiven Drohungen des Berliner Senates noch
von denen der Systemmedien einschüchtern lassen. Er hat vielmehr bewiesen, dass
er in der Lage ist, unter dem Druck massiver Polizeipräsenz und gezielter
Provokationen und brutaler Angriffe die Initiative zu ergreifen, handlungsfähig
zu bleiben und flexibel zu agieren. Anstatt auf dem ursprünglichen Konzept in
Berlin-Mitte mit dem Startpunkt der Straße des 17. Juni zu beharren, wichen
große Teile der Demonstranten nach Westen in den Bezirk Charlottenburg aus. Mit
dieser Flexibilität hatte weder der Berliner Innensenator Geisel noch die
Polizei gerechnet. Sie hatten ihr nichts entgegenzusetzen. Ganz offenbar hatten
sie die Lage politisch falsch eingeschätzt.
Sah es am Sonntagvormittag noch so aus, als ob der Tag durch erzwungene „individuelle
Spaziergänge" geprägt sein würde, eroberten sich die Demonstranten die Aktionsfreiheit
und verteidigten diese bis zum Abend. So konnten verschiedene Demonstrationszüge,
darunter ein großer, kilometerlanger im Westen von Charlottenburg, in der Nähe
des Olympiastadions, bis zum Alexanderplatz in der Stadtmitte gelangen. Daran
änderte auch das teilweise harte Vorgehen der Polizei aus mehreren
Bundesländern nichts. Über die Angriffe und Übergriffe der Polizei ist in den
vergangenen Tagen viel berichtet und dokumentiert worden. Wir werden uns hier
nicht mehr damit beschäftigen, sondern das Verhalten der Demonstranten und ihre
Stärken in den Vordergrund stellen.
Das Selbstbewusstsein, die Beweglichkeit aber auch die Tatsache, dass viele
mutige Menschen ihren Willen nicht brechen ließen, prägte diesen Tag bis in die
Abendstunden. Der Mut vieler Demonstranten war sicher der Hauptfaktor, der die Aktionen
und die Präsenz dieses Tages prägte. Aber auch die Haltung der Bevölkerung
spielte eine Rolle. Natürlich gab es hässliche Beschimpfungen und Szenen mit
offenem Hass gegenüber den Demonstranten. Auch das ist gut dokumentiert und
verbreitet worden. Zusammengefasst und unter dem Strich hat die Masse der Menschen
nicht gegen die Demonstranten Stellung bezogen. Sie war teilweise indifferent
und verhalten, reagierte aber auch teilweise mit Sympathie. Genau das spielte
eine bemerkenswerte Rolle.
Dann wer das Berliner Demonstrationsgeschehen seit Jahrzehnten verfolgt hat,
konnte feststellen, dass die Bevölkerung sich nicht auf die Seite der
Staatsmacht stellte, sondern zu dieser Distanz hielt. Das ist ein Punkt, der
nicht nur bemerkenswert ist, sondern von großer Bedeutung. Schließlich wollen
wir die Menschen in diesem Land überzeugen und gewinnen. Die oft auch in den
eigenen Reihen gehörte Position, Kuck doch, die machen doch alle mit, ist
falsch. Es machen eben immer weniger mit. Die Impfkampagne der Bundesregierung
ist alles andere als ein Erfolg. Nur rund die Hälfte der Bundesbürger haben
sich bisher zweimal impfen lassen. Merkel hatte vor nicht allzu langer Zeit
verkündet, bis September wolle sie alle geimpft haben.
Alle diese weichen Faktoren mögen an der Oberfläche nicht evident gewesen sein,
aber sie bestimmten auch den Ablauf dieses 1. August 2021 mit. Aber unsere
Argumente dringen langsam, gefühlt zu langsam, in die Bevölkerung ein. Verglichen
mit den Menschenmassen des 1. August 2020 könnten die geschätzten 40.000 bis 50.000
auf den Berliner Straßen als Niederlage missverstanden werden. Aber angesichts
der Spaltung in der Gesellschaft und der Ängste, die bewusst vom Merkel-Regime
erzeugt wurde, ist es ein Anzeichen der Konsolidierung der Widerstandsbewegung.
Genau darin besteht unser Erfolg. Und es ist eine Niederlage für den Berliner
Senat und des gesamten Corona-Regimes in Deutschland.
Angesichts dieses erfolgreichen Tages ist es nicht besonders tiefblickend, wenn
bei Zusammenschnitten von Handyvideos oftmals die Brutalität der Polizei und
die Opferrolle der Demonstranten als übermächtige Botschaft in den Vordergrund
der Berichterstattung gerückt wurde. Natürlich müssen wir das Vorgehen der Staatsmacht
aufzeigen und dürfen es nicht durchgehen lassen. Aber wir sind nicht die schwachen
und hilflosen Opfer. Auch wenn solche Videos nicht von professionellen
Berichterstattern zusammen geschnitten werden, ist es - vorsichtig formuliert -
auf einem Auge blind, die Leistungen und den Mut der Demonstranten wenig zu würdigen
oder gar ganz zu übersehen. Für Angstmachervideos sorgt schon die Gegenseite,
da braucht man sie nicht auch noch selbst herstellen.
|