|
- KAPITALISMUS
Informelle Weltregierung
Christfried Lenz
 | | Luftfracht rund um den Globus
Bild: Dtom/Wikipedia
| | |
„In den dreißig Jahren nach dem Zusammenbruch
der Sowjetunion hat sich die Welt in einem Ausmaß verändert wie nie zuvor.
Unter der Zielperspektive der Globalisierung wurden viele nationale Regelungen
abgebaut und neue internationale
Sicherungsmechanismen für Investitionen und Transaktionen aufgebaut.
Weltumspannende Wertschöpfungsketten sind entstanden, die von immer weniger
gigantischen Konzernen verwaltet werden." (Maja Göpel, Unsere Welt neu denken S. 140) Und weiter
verdeutlichend: „Oligopolisten - das sind
Marktführer, die mit sehr wenigen Konkurrenten das Angebotsfeld beherrschen -
handeln international, während Staaten gezwungen sind, national zu handeln". (S.
141)
In ihrem Buch macht Maja Göpel aufmerksam auf eine epochale Veränderung der
politischen Weltstruktur: Eine Ebene oberhalb von Nationalstaaten ist
entstanden. Sie besteht aus den wenigen Playern des globalen Kapitals, die mit
Summen, die das Bruttosozialprodukt ganzer Staaten übersteigen, das
Weltgeschehen beeinflussen.
In der Phase der Nationalstaaten gab es das nationale Kapital und den
jeweiligen nationalen Staat. Das Kapital hielt sich gern zurück, um aus dem
Hintergrund heraus die Strippen zu ziehen. Es hatte es aber zu tun mit der
Verfassung und den Gesetzen des Staates, der, wenn er sich „demokratisch" nannte,
der Bevölkerung zumindest minimale Einflussmöglichkeiten einräumen musste.
Auf der globalen Ebene gibt es aber keinen Staat. Das hier agierende Kapital
hat einen rechtsfreien Raum zur Verfügung, ohne Strukturen, ohne Regularien,
jedenfalls ohne solche, die bekannt sind, ohne die mindeste Transparenz. Es ist
keinerlei Gesetzen unterworfen außer denen der Ökonomie.
Auch in den übelsten Diktaturen und Tyranneien wusste man zumindest, wer der
Herrscher ist. Diejenigen, die heute global die Strippen ziehen, sind, von
einzelnen Ausnahmen abgesehen, anonym. Sie werden öfters „Eliten" genannt. Doch
der Respekt ist unangebracht. „Eliten" bedeutet „Auserlesene". Diese Clique
aber hat niemand auserlesen. Ihre Beteiligten haben sich hineinmanövriert auf
Grundlage ihres unermesslichen Reichtums. Mit welchen Methoden sie sich diesen
angeeignet haben, wissen nur sie selber.
Freihandelsabkommen lassen Absichten und
Methoden der Oligopolisten erkennen
Grundsätzlich spielen sich ihre Aktivitäten im Geheimen ab. Mitunter kommt mal
was zum Vorschein. An den „Freihandelsabkommen" TTIP und CETA zwischen der EU
und den USA, bzw. Kanada war bereits jahrelang heimlich verhandelt und
geschrieben worden, als sie unplangemäß an die Öffentlichkeit gerieten. Heraus
kam: Sie beinhalten Absenkungen von Verbraucherschutz, Umwelt- und
Sozialstandards. Sie ermöglichen Eingriffe in die Souveränität der Staaten: Dem
Beginn von Gesetzgebungsprozessen wird ein „Regulatorischer Rat" vorgeschaltet,
der ohne Wissen des Parlaments dafür sorgt, dass keine Bestimmungen - z.B.
bezüglich Umweltschutz - auf den Weg kommen, die für ausländische Investoren
unpässlich sein könnten. Rein private, fernab von jeglichen staatlichen,
geschweige denn demokratischen Institutionen eingerichtete „Internationale
Schiedsgerichte" können Staaten zu Entschädigungszahlungen verpflichten, wenn
sich ausländische Investoren beispielsweise durch Klimaschutzmaßnahmen
benachteiligt fühlen.
Solche privaten Schiedsgerichte gab es aber auch schon unabhängig von den
erwähnten beiden Freihandelsabkommen. Wie sie in die Welt gekommen sind, liegt
im Dunkeln. Vor einem solchen Schiedsgericht wird bekanntlich seit Jahren
zwischen Vattenfall und der BRD um Milliardenentschädigungen wegen Stilllegung
von Kraftwerken verhandelt. Allein die Verhandlungsführung kostet ständig
Millionen Euro Steuergelder.
Ist unser komplettes System bereits
korrumpiert?
Mehrere Gutachten angesehener Rechtsgelehrter zeigten auf, dass die
Ratifizierung von TTIP und CETA gegen das deutsche Grundgesetz verstoßen würde.
- Weshalb aber ist mit dieser Feststellung die Sache nicht vom Tisch? Wie kann
es sein, dass der Bundestag über Absichten diskutiert, die verfassungswidrig
sind - und sie auch noch mehrheitlich befürwortet?? Wieso gibt es auch von der Opposition nur
allenfalls Skepsis, aber weder Protest noch Entrüstung? - Und wo bleibt der
Aufschrei der kompletten Jurisprudenz? - Gab es in irgendeiner Weise Druck?
Oder sind allgemeine Zerrüttung der Intelligenz und Einübung in Gehorsam
gegenüber den „Eliten" schon zu weit fortgeschritten?
Achillesverse der Oligarchen:
Klimawandel/Energieerzeugung
Dabei ist die Lage der Geld-Oligarchen gar nicht rosig. Sie haben das
alttestamentarische (und als einziges konsequent befolgte!) Gebot „Macht euch
die Erde untertan" bis zum Ende erfüllt. Solange kein anderer Planet erreichbar
ist, gibt es für sie keine weitere territoriale Expansion, nur Erhaltung des
status quo. Und auch der ist gefährdet. Die kapitalistische Produktionsweise
braucht fortwährendes Wachstum. Die Ressourcen des Planeten wachsen aber nicht.
Besondere Probleme verursacht das nur begrenzt schadlose Aufnahmevermögen der
Atmosphäre für unsere gasförmigen Abfälle aus Verbrennung und anderen Quellen,
das bei Überschreitung zur Klimaerwärmung führt.
Hilflose Versuche gegen den Klimawandel
Die von der Kapitalseite ergriffenen Gegenstrategien wirken ziemlich hilflos.
Zunächst versuchte man, die durch steigenden CO2-Gehalt der Luft ausgelöste
Erwärmung einfach wegzulügen. Exxon engagierte eine ganze Riege von
Wissenschaftlern, die dafür Beweise liefern sollten.
Als die Auswirkungen der Erwärmung unübersehbar wurden, schwenkte man um. Man
negierte den Klimawandel nun nicht mehr, behauptete aber, ihn in den Griff zu
bekommen, wenn man aus den Abgasen fossiler Kraftwerke und Industrieanlagen das
CO2 abscheidet und durch Verpressen in den tiefen Untergrund von der Atmosphäre
fern hält (CCS). Bürgerinitiativen konnten das Unsinnige und Verzweifelte
dieser Idee deutlich genug herausarbeiten, um die Konzerne auch an dieser
Stelle zum Rückzug zu veranlassen.
Nachdem aus dem „klimafreundlichen Kohlekraftwerk" also nichts wurde,
präsentierte man das Erdgas als klimafreundliche „Brückentechnologie". Auch
dies basiert auf einer Lüge: Die Gasflamme emittiert zwar weniger CO2 als die
Kohle, bei Förderung, Transport und Reinigung des Erdgases gelangen aber
derartige Mengen des extrem klimawirksamen Methans in die Atmosphäre, dass die
Bilanz am Ende ungünstiger ist als die der Kohle.
Bill Gates aus der globalen Clique, der als Philanthrop auftritt und sein
unermessliches Vermögen für die Lösung der Probleme der Menschheit einsetzen
möchte, will das Klimaproblem per Geoengineering lösen: Gigantische Mengen
winziger Spiegel oder Schwefelpartikel sollen in die oberen Schichten der
Atmosphäre verbracht werden, um die Erde gegen zu viel Sonneneinstrahlung
abzuschirmen. - Möge daraus nie etwas werden! Die „Nebenwirkungen" wären so
unermesslich wie das Vermögen des nur scheinbaren Wohltäters.
Mit dem Kapital in eine tote, rein artifizielle
Welt?
Einstein erkannte: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen,
durch die sie entstanden sind." Die Akteure des Kapitals wollen aber genau
dies: die durch zu viel Technik entstandenen Probleme durch noch mehr und noch
gewaltigere Technik lösen. Den Klimawandel per Geoengineering stoppen, die
aussterbenden Bestäubungsinsekten durch winzige fliegende Roboter ersetzen,
überhaupt immer mehr Tätigkeiten Robotern übertragen, von der Altenbetreuung
bis zum Geschlechtsverkehr.
Und damit hört es nicht auf. Schon ist ein wissenschaftlicher Begriff für bald
zu erwartende Mischungen aus Mensch und Maschine entstanden: „Transhumanismus".
Nach den Vorstellungen des Kapitals geht die Reise in eine immer weiter
technisierte artifizielle Welt. In dieser wird zusätzlich zur Umwelt auch die
Innenwelt des Menschen und damit dieser selbst zerstört.
Wir stehen an der Weggabelung
Wir heute Lebenden haben es noch in der Hand: Wollen wir uns - wie
Labormäuse - vom Kapital weiter führen lassen, oder sagen wir „STOP: Die Technik ist mittlerweile übers
Ziel hinausgeschossen, von einer ‚Zähmung' der Natur ist sie zu deren
Zerstörung übergegangen. Wir selber werden mit zerstört. Das wollen wir nicht.
Wir wollen keine Welt aus Maschinen. Wir wollen lebendige Pflanzen und Tiere um
uns. Mit ihnen wollen wir leben, wir sind selber Teil der Natur."
Wenn wir uns für das Letztere entscheiden, steht uns ein bedeutender Trumpf zur
Verfügung: die erneuerbaren Energien, insbesondere die Photovoltaik. Sie
treffen nämlich genau in die Achillesverse der Global Player: Diese benötigen
als Seinsmedium ein zentralistisches System mit Schalthebeln, an denen sie
sitzen. Die erneuerbaren Energien aber sind ihrem Wesen nach dezentral, können
von Millionen von Menschen eigenständig, unabhängig und beliebig kleinteilig
genutzt werden. „Schalthebel der Macht" gibt es da nicht, denn es gibt keine
Macht - statt dessen ein demokratisches und solidarisches Zusammenwirken der
besagten Millionen.
„Freiheit" gibt es nur im Doppelpack mit
„Verantwortungsübernahme"
Eine solche Struktur aus autonom handelnden „Prosumern" (gleichzeitig
Produzenten und Konsumenten erneuerbarer Energie) kann allerdings nur Hand in
Hand mit einem tief gehenden Emanzipationsprozess der Bevölkerung entstehen. Denn
mit etwas muss für die Befreiung von den Konzernen auch bezahlt werden: mit der
Übernahme der Verantwortung für die eigene Energieversorgung! - „Freiheit" und
„Verantwortungsübernahme" sind nun mal Synonyme!
„Raus aus der Lethargie" ist unabdingbar
Dem - praktisch! - zuzustimmen, ist nicht für jede/n leicht, denn durch die Art
der Technikentwicklung sind wir sehr bequem und schlaff geworden. Nicht einmal
unsere „Freizeit" gestalten wir eigenaktiv, sondern füllen sie mit den
käuflichen Produkten der Freizeit- und Unterhaltungsindustrie. Der abendliche
Meinungsaustausch im Familienkreis wurde ersetzt durch den Konsum lähmender
Fernsehsendungen, das Abenteuer des Reisens durch den Urlaub von der Stange.
Analoges gilt für den eigenen Körper: Unsere Verantwortung für dessen
Gesundheit haben wir weitgehend den Dienstleistungen und Produkten der Medizin-
und Pharmaindustrie übertragen. Dies und so manches mehr sind also Punkte, wo
ein Sprung heraus aus der Lethargie und hinein in eine völlig neue Aktivität und
Intensität unabdingbar ist.
Stellenwert der „Corona-Maßnahmen" in diesem Kontext
Frappierend ist, welche Änderungen von Lebensgewohnheiten vom einen zum andern
Tag stattfanden. Klimaschützer leisteten jahrzehntelang Überzeugungsarbeit mit
wenig Erfolg. - Nun plötzlich ist der Flugverkehr radikal reduziert. Und was
ist eigentlich schlimm an der Einschränkung christlicher Feste? Was hat die
weihnachtliche Konsumorgie mit Jesus zu tun?
Weniger Böllerei an Silvester haben bestimmt viele achtsame, umwelt- und
klimabewusste Menschen genossen. Die Verringerung der allgemeinen
Ablenkungsflut könnte die Beschäftigung mit Grundfragen des Lebens befördern:
„Wer sind wir eigentlich? Warum sind wir hier? Was hat es mit unserer ein paar
Jahrzehnte währenden Anwesenheit auf diesem Planeten eigentlich auf sich?
Die
verordneten medizinischen Maßnahmen allerdings liegen vollständig auf der Linie
der Verantwortungsübertragung vom Menschen auf die einschlägige Industrie. Alle
Hoffnungen werden am „Impfstoff" festgemacht. Dass wir ein natürliches
Immunsystem haben, das zig Millionen Mikroben, die unseren Körper permanent
bewohnen, in einer gesunden Ballance hält, wird von der Corona-Propaganda
ebenso systematisch verschwiegen wie von der Pro-Erdgas-Propaganda die
Methan-Emission.
 |
Maja Göpel, Politökonomin
|
Andernfalls müsste man nämlich auch eingestehen, dass dieses Immunsystem keine
Apparatur ist, sondern ein Zusammenwirken von Körper, Geist und Seele. Einer
rein naturwissenschaftlichen Betrachtungsweise ist es enthoben. Emotionen
beeinflussen es: Lebensfreude positiv, Niedergeschlagenheit negativ. Dass die
Corona-Maßnahmen die Stimmung heben, wird wohl niemand behaupten.
Ioannidis: Lockdown nicht hilfreich,
sondern schädlich
Zusätzlich zu all den Fragwürdigkeiten, die von Anfang an bestanden (z.B.
Einordnung eines positiven PCR-Tests als „Erkrankung", bei der Todesursache
keine Unterscheidung zwischen „an" und „mit", keine Betrachtung der
Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen und der durch sie verursachten
„Kollateralschäden") hat jetzt der international führende Epidemiologe Prof.
John Ioannidis (Stanford University) nach Untersuchung der Auswirkungen in
mehreren Ländern eine Studie herausgebracht, wonach der Lockdown das
Infektionsgeschehen nicht reduziert, aber erhebliche Schäden auch an der Gesundheit
anrichtet. . Dass dies zutrifft, sehen wir auch in Deutschland. Die Kanzlerin blendet diese
Studie aber aus und bereitet weitere erhebliche Verschärfungen der untauglichen
Maßnahmen vor.
Aufruf zum Aufstand?
Den Zustand von vor Corona wünsche ich nicht zurück. Auch mein Leben ist durch
all die unerwarteten Ereignisse und Herausforderungen spannender geworden. Aber
natürlich will ich nicht den Abbau demokratischer Rechte und die unglaublichen
Eingriffe in die natürlichsten Menschenrechte. Worauf diese hinauslaufen, ist
ja deutlich: absolute Vereinzelung. Die Erfahrung „Gemeinsam sind wir stark"
wird aus dem Bewusstsein herausgebrannt und durch „Achtung: Gemeinsam machen
wir uns gegenseitig krank!" ersetzt.
Und diesen Wahnsinn will Merkel noch weiter treiben: nicht nur, dass nur
maximal 1 Besucher in einem anderen Haushalt erlaubt ist, sie möchte, dass es
künftig auch immer nur der gleiche sein darf! Oft kommt mir der Gedanke: sind
das versteckte Aufforderungen zum Aufstand? Wird da getestet, wie viel die
Menschen noch mit sich machen lassen, bis sie das große STOP ausrufen?
Die Erde heilen und uns selber!
Wie gesagt: zurück zu „vor Corona" bringt nichts, wir müssen nach vorn gehen.
Dort wartet nämlich die eigentliche Aufgabe. Das ist die Klimakatastrophe. Von
dieser wird durch Corona abgelenkt. Wir können aus der Lethargie aufwachen und mit noch nie dagewesener Dynamik
unsere historische Aufgabe anpacken:
-
Stop einer lebensfeindlich gewordenen Technikentwicklung!
-
Heilung der Wunden, die wir der Natur zugefügt haben!
Und
ganz praktisch:
-
Vollständiger Umstieg auf erneuerbare Energien!
-
Klima- und umweltfreundliche Gestaltung von:
- Landwirtschaft - Bekleidung - Behausung - Verkehrswesen
Indem wir diese Aufgaben anpacken, werden wir nicht nur die Erde heilen,
sondern auch uns selber. Aus Untertanen, die allen Vorschriften gehorchen, auch
wenn sie unsinnig und schädlich sind, werden wir zu Individuen heranwachsen,
die ihre Würde und ihren einzigartigen Wert kennen und leben. In ihrem Handeln
lassen sie sich ausschließlich von ihrem Gewissen leiten. Solche Menschen
können niemals beherrscht werden.
Sollte es Reiche, auch Superreiche, geben, die am Aufbau der neuen Welt
mitwirken wollen, so sollten sie willkommen sein. Sie werden dann ihre
Vermögensverhältnisse vollständig offen legen und unter Einbezug der
Öffentlichkeit klären, wofür ihre Mittel eingesetzt werden.
Literatur: Maja Göpel, Unsere Welt neu denken, Ullstein Verlag 2020
|
|